Da sprach der alte Häuptling der Indianer….

…saftig ist der Burger und weit ist ganz Berlin – uff!

Naja, so ähnlich zumindest, denn vor einigen Wochen war der Häuptling des Indianerstamms Seminolen aus Florida zu Gast in Berlin. Er weilte hier in seiner Funktion als Besitzer der Hard Rock Cafés und suchte nach einem geeigneten Standort für ein erstes Hard Rock-Hotel in der Hauptstadt. Das liest sich nun alles so verrückt, dass die Herren von „2aufeins“ mich dazu befragen wollten, was es denn mit diesen geschäftstüchtigen Stämmen auf sich hat. Nachzuhören wie immer demnächst hier.

In der Tat hat der Stamm der Florida- Seminolen, dem rund 4.000 Indianer angehören, bereits 2007 die Kette der Hard Rock-Cafés gekauft und sehr erfolgreich weitergeführt – von damals 700 Millionen Dollar Umsatz auf heute 3,9 Milliarden Dollar. Insgesamt gehören zum Hard Rock-Imperium nun weltweit 170 Cafés, 21 Hotels und 10 Casinos.

Casinos sind der Schlüssel zur Fragestellung, wieso gerade ein Indianerstamm ein so großes Interesse an der Hard Rock-Kette gehabt hat: Schon seit 1979 nutzten die Semiolen ihr Sonderrecht, Glückspiele durchführen zu dürfen (und zwar jenseits der staatlichen Regulierung) und eröffneten die ersten Bingohallen. Damit waren sie nicht alleine, über 460 Casinos in de USA stehen auf indianischem Grund und Boden und erfreuen sich großer Beliebtheit, denn nicht nur sind dort deutlich höhere Einsätze und Jackpots möglich, sondern ein weiteres Sonderrecht ermöglicht den Stämmen den steuerfreien Verkauf von Tabak und Alkohol.

Diese und eine Menge weiterer Sonderrechte erhielten die Indianerstämme zur Bewahrung ihrer Souveränität und vor allen Dingen als Ausgleich für das ihnen zugefügte Leid im Zuge der Besiedlung. Ziel war und ist es, die hohe Armut und Arbeitslosigkeit in den Reservaten zu bekämpfen, den Indianer eine Perspektive zu geben und mit besserer Infrastruktur auch Investoren anzuziehen. Seit 2006 kümmert sich im US-Innenministerium das „Office of Indian Energy and Economic Development“ um diese Belange und das mit Erfolg – eine Vielzahl von Stämmen konnten sich in den Bereichen Tourismus, Glückspiel, Handwerk, Landwirtschaft und Forsten profilieren und positionieren. So machte der größte Stamm der amerikanischen Indianer, die Cherokees, im letzten Jahr 829 Mio. Dollar Umsatz mit 40 Firmen, die u.a. auf den IT-Bereich spezialisiert sind.

Und der nächste, milliardenschwere Markt bahnt sich bereits an: Nach der Teil-Legalisierung von Marijuana in den Vereinigten Staaten beraten die Stämme zur Zeit darüber, wie sie mit ihrem Sonderrecht des Anbaus umgehen wollen. Attraktiver scheint dabei jedoch der Umstand zu sein, dass derzeit nur 220 von den über 700 US-Banken das Geld von den – legalen – Drogenhändlern annehmen, oftmals aufgrund der eigenen Governance-Regeln. Eigene Indianerbanken könnten diese Lücke schließen….

Ein älteres Interview zum Thema kann man hier nachhören und hier nachlesen und einen kleinen Eindruck zu den Hotels gibt es nier:

 

Let’s get physical!

„Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer….“, ach nein, es ging ja diesen Sonntag bei „Zwei auf eins“ um das Thema „Raum“, nicht „Weltraum“. Ich war in#s „radioeins„-Studio geladen, um ein wenig den Marketingaspekt von Räumen, insbesondere vom POS (point of sale) zu beleuchten, also dem Ort, an dem Dienstleistungen erbracht werden.

„Physical evidence“, der Sachbeweis, ist der englische Ausdruck für das, was in der deutschen Theorie „Ausstattungspolitik“ genannt wird, oder kurz gesagt: eine C&A-Filiale sieht anders aus als ein Prada-Shop.

Wer sich heute zum einen von den Wettbewerbern abgrenzen und zum anderen den Kunden zum Verweilen bringen möchte, der sollte heutzutage ein großes Augenmerk auf die Gestaltung jener Räume legen, in denen der Kontakt zum Endkunden stattfindet. Kein anderer Laden darf beispielsweise so aussehen wie ein Apple-Store:

Das besondere Design der Apple-Stores hat Erfolg: In den USA macht kein Unternehmen mehr Umsatz pro Quadratmeter Ladenfläche als Apple, Juweliere inklusive. Naheliegend, dass sich Apple die Gestaltung seiner Shops markenrechtlich schützen ließ. Kein anderer Shop darf nun so aussehen wie Apple.

Auch Banken sehen heute ganz anders aus als früher: Statt Tristesse grau in grau samt vor sich hinsterbenden Hydrokultur-Pflanzen und Kassierer hinter Glas sind moderne Banken nun hell, farbig und freundlich:

Denn der Kunde soll nun nicht mehr wie früher seinem Fluchtinstinkt Folge leisten, sondern verweilen, entspannen, sich wohlfühlen – ist er dann doch wesentlich offener für Beratung sowie die Angebote von Versicherungen, Fonds und anderen lieblichen Produkten.

Ja, auch dieses Bild zeigt eine Bankfiliale (der Deutschen Bank in der Berliner Friedrichstraße) – es handelt sich hierbei jedoch noch nur um eine Test-Filiale des Konzerns. Umgesetzt wird hier, was eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger und der Kreditkarten-Firma Visa Europe ergeben hatte: Demnach wünschen sich 56 Prozent der Befragten die Bankfiliale der Zukunft wie einen Laden des US-Technologieunternehmens Apple, eben hell, luftig und modern. 46 Prozent nannten die US-Kaffeehauskette Starbucks als Vorbild.

Wiedererkennung (auch global), Image, Sympathie, Markenbild, Corporate Design, Verweildauer, das alles sind natürlich klassische Marketing-Werte, so dass es kein Wunder ist, dass sich die Marketing-Abteilungen immer mehr und stärker in die innenarchitektonische Gestaltung einmischen – bis hin zu den Licht-, Musik- und Geruchskonzepten.

Gewiss nicht meine Lieblingsmarke, aber die Abercrombie & Fitch – Stores ( und gleiches gilt für die Schwestermarke Hollister), kann man schon Meilen gegen Wind riechen. Der Beat peitscht ohrenbetäubend, das gesamte Ambiente ist im Halbdunklen gehalten – perfekte Inszenierung für alle, die nach 1995 auf die Welt gekommen sind, abschreckend genug für alle zuvor Geborenen.

Was uns bei Shops, Hotels und Restaurants noch halbwegs nachvollziehbar erscheint, gilt jedoch zunehmend auch für andere Dienstleister; seit Ärzte beispielsweise nicht mehr besucht werden, um gesund zu werden, sondern um gesund zu bleiben (von Kranken kann ja kein Arzt mehr überleben, die kostenpflichtigen Vorsorgeuntersuchungen bringen heute das Geld), müssen sie konsequenterweise sich auch dem Look der Wellness-Tempel öffnen: helle, freundliche Farben, Räucherstäbchen, in der einen Ecke ein Zier-Buddha und in der anderen plätschert ein Zimmerspringbrunnen.

Nein, das hier ist weder ein Club noch eine Bar, sondern es handelt sich um die Räumlichkeiten der Zahnarztpraxis KU64, entwickeltt von den CRAFT-Designern. Und damit sind wir dann doch wieder bei „Weltraum“, „Space“ und „Enterprise“ angekommen…

Marken wollen erfahren, erlebt werden – und gerade für den Handel kann hier eine rettende Lösung liegen, um sich von Online-Anbietern abzusetzen. Laden-Design als Wettbewerbsvorteil: Let’s get physical!

 

Marketinggeschwurbel Folge 3.861

Anspruch:

„Entlang sämtlicher Touchpoints – sei es mobil, direkt am PoS, via Beacons oder Kundenkarten – wird in Zukunft auf die individuellen Bedürfnisse und Wünsche der Kunden eingegangen werden können. In der Praxis bedeutet das, dass dem Kunden zur richtigen Zeit am richtigen Ort über den richtigen Kanal die richtigen Angebote zugespielt werden können.“

Dr. Johannes Steegmann, Managing Director Rewe Digital

Wirklichkeit:

2015-09-28 17.03.36