Mama, uuhuuhuhuuuuu….

… didn’t mean to make you cry, if I’m not back again this time tomorrow, carry on carry on as if nothing really matters….

Eigentlich sinnierte ich gerade darüber nach, wie ich zu dem tollen Titel „Sexgott Dadbod“ den Bogen zum Marketing bekommen könnte, da meldete sich der überaus emsige Redakteur Dave von „Zweiaufeins“ und fragte mich, ob ich nicht etwas zum Thema „Muttertag“ sagen könnte. Kann ich. Und deshalb war ich wieder einmal zu Gast im radioeins-Studio. Nachzuhören ist das Interview hier:

Der Muttertag hat durchaus – wie viele Gedenktage – einen Hauch Verlogenheit, denn natürlich soll man nicht nur an einem Tag im Jahr seiner Mutter gedenken und sie auch häufiger anrufen als an jedem 2. Sonntag im Mai. Wer heute so ein leichtes Ziehen im Hinterkopf spürt („Ach da war doch was…“), dem ist auch mit Blumen und Pralinen to go nicht mehr zu helfen.

Erfunden wurde dieser Tag nicht von den Nationalsozialisten, sondern von der Amerikanerin Anna M. Jarvis. Deren Mutter sprach der Legende nach in einem Gebet für die „Mütter der Bibel“:

„I hope that someone, sometime will found a memorial mothers day commemorating her for the matchless service she renders to humanity in every field of life. She is entitled to it.“

Ab 1907 betrieb sie mit großen Engagement die Etablierung des Muttertages in den Vereinigten Staaten, um mit diesem Tag nicht nur die Mütter zu ehren, sondern auch grundsätzlich auf die Probleme von Hausfrauen und Müttern aufmerksam zu machen. 1914 verfügte der US-Präsident Wilson, dass fortan der Muttertag an jedem 2. Sonntag im Mai als gesetzlicher Feiertag zu begehen sei. Die Kommerzialisierung dieses Tages setzte umgehend ein, so dass Anna Jarvis, enttäuscht von der Umdeutung ihres Anliegens, sich nun dafür stark machte, diesen Feiertag wieder abzuschaffen – vergeblich.

Den ersten Muttertag in Deutschland gab es dann 1923, allerdings nicht initiiert von deutschen Frauenrechtlerinnen, sondern vom „Verband deutscher Blumengeschäftsinhaber“ unter dem Motto „Ehret die Mütter“. Der Absatz von Schnittblumen war garantiert.

Die Nationalsozialisten kaperten sich diesen Tag, denn er passte perfekt zu ihrer eigenen Mütter-Propaganda. 1934 wurde er zum nationalsozialisten Feiertag deklariert, um ihr völkisches Frauenbild zu manifestieren. Die Mutterschaft wurde in der NS-Zeit zur wichtigsten Lebensaufgabe von Frauen erklärt und ab 1938 wurde dann auch am Muttertag das „Mutterkreuz“ verliehen – in den Abstufungen „Bronze“ ab vier, „Silber“ ab sechs und „Gold“ ab acht Kindern.

Heute ist der Muttertag einer der wichtigsten nichtgesetzlichen Feiertage (in Deutschland aufgrund der nationalsozialistischen Entfremdung bewusst nicht gesetzlich gehalten – den Geschenke-Umsatz betreffend. In den USA liegt er direkt hinter Weihnachten, was die durchschnittlichen Geschenk-Ausgaben von 139 Dollar angeht. In Deutschland sind es immerhin noch 25 Euro. Obwohl sich immer mehr Sachgeschenkanbieter um den Kuchen drängeln, geht das Gros des Budget zu den Floristen: 170 Millionen Euro setzen diese in der Muttertagswoche um, bis zum 30% des Mai-Umsatzes – und somit auch mehr als zum Valentinstag. Das Statistische Landesamt meldet 11,3 Millionen Mütter, allerdings zählen dazu nur Frauen mit Kindern unter 15 Jahren.

Die Beispiele hier im Text zeigen nur einige der vielen vielen Kampagnen, die dieses Jahr zum Muttertag gestartet wurden – und jeder Gang in einen Supermarkt in den letzten Tagen setzte uns zusätzlich einem Overkill aus, denn kaum ein Produkt kam ohne Muttertagsaufmachung daher.  Doch der Tag an sich erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit: Nur ein Zehntel der Deutschen würde ihn abschaffen wollen. Gut ein Viertel verzichtet jedoch auf Geschenke, meistens, weil es die Mütter nicht wollen.

Auf so einen Umsatz möchte natürlich keine Branche gerne verzichten und so kam es vor einigen Jahren zu der Überlegung, den Muttertag 2008 vorzuverlegen. Traditionell immer am 2. Sonntag im Mai, fiel er damals auf Pfingsten. Und an diesem Feiertag dürfen, gesetzlich verordnet, die Geschäfte nicht öffnen. Da der Muttertag in Deutschland kein gesetzlicher Feiertag ist, hätte man ihn tatsächlich leicht und einfach verschieben können – tat es dann aber doch nicht (trotz der schönen Formel: „Muttertag und Heiliger Geist gehören nicht zusammen!“). Die Floristen wollten nicht als Geldabschneider dastehen und außerdem war der Tag bereits in allen Kalendern eingedruckt. Da haben die Kinder die Blumen halt am Samstag gekauft….

Ach so: Sollte jemand die Liedzeile am Anfang nicht erkannt haben, dann folgt hier noch die Auflösung:

Ich bin bei Twitter – ich bin käuflich! #rp15

Wenn der Hashtag „rp15“ die Twitter-Welt zum Glühen bringt, rund ums Gleisdreieck hunderte Nerds und noch mehr schöne kluge Frauen anzutreffen sind, wenn sich alle Medien bis hin zur „Bäckerblume“ darin überschlagen, live zu berichten, dann, ja dann ist Mai.

Und wieder re:publica in Berlin.

Dieses Jahr ist alles noch größer und noch schöner und doch irgendwie auch alles wie die Wiederholung einer liebgewonnenen Serie im Fernsehen (..ist übrigens tot.). In mehreren Sessions wurde erstaunt geraunt, dass das iPhone ja gerade erst 7 Jahre alt ist, man sich also vor 10 Jahren noch gar nicht vorstellen konnte, dass 2015 98% der Zuhörer eines Vortrages diesen dann auch live in den geselligen Netzwerken kommentieren – Multitasking (…ist übrigens nicht tot.) rules.

Auch dass Netzwerke sich besser dazu eignen, gegen etwas zu sein, aber es sehr schwer ist, diese Energie dann in etwas Konstruktives umzumünzen, ist keine neue Erkenntnis: Protests are bigger, but weaker.

Trotzdem ist alles schön – und die Range der Sessions reicht von „traumhaft“ (Gunther Dueck über „Schwarmdummheit“, einfach bedueckend)

bis „traumatisch“ (die „Performerin“ Alicia Augustin als „Conférencière“).

2015-05-05 11.27.33 Völlige neue Wertschätzung erfuhr die begehrte Twitter-Gemeinde durch die Einführung des Tweets als Währung zur Grundversorgung.

Ganz gleich, ob – gewollt – komisch („Carewoche“…. übrigens in Baden-Württemberg noch nicht tot.) oder – gewollt – kreativ (s.u.), ein guter Tweet zur rechten Zeit macht sich bezahlt. Gut, nicht wirklich neu, denn „Pay with a tweet“ ist ja ein alter Hut: Ich hab mir schon vor Jahren 10% Rabatt bei der Buchung des „Hotel Universo“ in Lucca durch einen simplen Tweet gesichert.  Nur: Was wollen die mit den ganzen Tweets? Dem schwäbischen Controller den Nachweis erbringen, wohin die vielen Flaschen Tannenzäpfle hingegangen sind? Sind Tweets die Visitenkarten-Sammelvasen von heute? Sind Twitterer generell so nerdig-bedürftig, dass man sie schon mit den kleinsten Almosen gefügig und viral-streuend machen kann? Pfui, ihr bösen bösen Anbieter, Ausnutzer unserer prekären Situation!!

Ich dachte mir natürlich: „Hey, auf den Hype springe ich auf!“ und twitterte: „Neuer Trend? Da mach ich doch mit: Jeder, der mir nen Tweet schickt, wird im nächsten Blog-Beitrag erwähnt… 😉 #rp15“

2015-05-05 11.28.19Ganze zwei Twitterer haben reagiert – und sollen natürlich hier auch ihre hart verdiente Erwähnung erhalten:

– zum einen Thomas Mampel, der erste Human-Social-Media-Bot, von dem ich vermute, dass er tatsächlich eine Schnittstelle direkt ins Gehirn hat, die all seine klugen Gedanken sofort int Tweets und Blogbeiträge umwandelt…  (@tmampel)

– und zum anderen das Team von Text100 aus München, die hoffentlich ein bißchen bayrische Gelassenheit auf die hektische re:publica gebracht haben ( @text100de)

Ich sollte jedoch das Geschäftsmodell vielleicht noch einmal überdenken….