Der Werbehobel von Grenoble

…heißt Eric Piolle und ist Bürgermeister des französischen Alpenortes. Sein Wahlversprechen lautete: die werbefreie Stadt – denn auch Werbung kann eine Form von Verschmutzung sein, insbesondere wenn sie den öffentlichen Raum besetzt. Und so nutzte er den auslaufenden Vertrag mit dem Vermarkter JCDecaux, um weit über 300 Werbeträger abmontieren zu lassen und dafür Bäume zu pflanzen. Einen Teil der Flächen dürfen kulturelle und soziale Einrichtungen nutzen, aber nicht, um vorbeifahrende Autofahrer mit Botschaften zu versorgen, sondern um mit kleineren Werbeflächen die Fußgänger zu informieren.

Immerhin bedeutet dies auch den Verlust von gut 150.000 Euro jährlich an Einnahmen, die der Bürgermeister der französischen Grünen jedoch durch die Abschaffung seinen Dienstwagens und die Kürzung aller Bezüge der Stadtratsmitglieder um 25% wieder ausgleicht.

Dreiviertel der Bewohner von Grenoble hätten die Werbeschilder einer Umfrage zufolge als störend empfunden. Die Rückeroberung des öffentlichen Raumes, wie ihn in Deutschland auch das Amt für Werbefreiheit und Gutes Leben fordert, fand nun erstmalig in Europa statt, nachdem 2010 schon Sao Paolo diesen Schritt gegangen ist.

Bei den Grenoblern kommt die Aktion zumindest sehr gut an, denn Werbung gehöre ins Fernsehen oder ins Internet, aber nicht auf die Strasse.

Im Sinne von Green Marketing zeigt dieses Beispiel sehr schön auf, dass auch die Marketing-Kommunikation neu gedacht werden muss – und es ein „geht nicht“ nicht gibt…

Es grünt so grün….

Blauer Himmel, Sonnenschein – und schon ergrünt und erblüht die Natur. Auch die Macher von „Zweiaufeins“ sind aus ihrem Winterschlaf erwacht und luden mich zum Thema „grün“ ins radioeins-Studio:

Wir sprachen über „Green Marketing“, ein Thema zum dem ich gerade eine erste kleine Einführung in das Thema veröffentlicht habe – als Ebook und Book-on-demand. Reinlesen kann man hier.

Die Grundfrage bei „Green Marketing“ lautet: Wie können wir die bewährten Marketing-Instrumente dazu einsetzen und nutzen, um gute „grüne“ Ideen, Konzepte, Projekte und Produkte erfolgreich im Markt zu platzieren. Viele Start-Ups, die ich auch im Schwesterblog greenmakketing vorstelle, haben nachhaltige Werte von Anfang an quasi in der DNA ihres Unternehmens verinnerlicht. Schwer tut sich hier eher der Mittelstand, der jedoch nach wie vor die eigentliche Stütze unserer Wirtschaft ist. Dabei sind es gerade die Familienunternehmen, die, ohnehin stark werteorientiert, am ehesten dazu in der Lage wären, umzudenken und sich umzustellen.

Als Beispiel sei wie im Buch die Firma Patagonia genannt, die durchaus hochpreisige Outdoor-Kleidung anbietet: Patagonia liegt immer noch in den Händen der Gründerfamilie und ist daher keiner Gewinn-Maximierung und keinem Zwang zur Aktionärsbefriedigung unterworfen. Es leistet sich daher den Luxus, mit teuren Materialien wie Biobaumwolle oder recyceltem Nylon oder Polyester zu arbeiten und aufwändige Produktionsprozesse beizubehalten. So kontrollieren sie ihre Zulieferbetriebe in China, Vietnam und Bangladesch selbst und stellen besonders hohe soziale Anforderungen an die Fabrikanten, bevor sie Aufträge erteilen. Sie geben Geld für Forschung und Entwicklung aus, zum Beispiel um Bio-Gummi herzustellen, und spenden 1 % ihres Gesamtumsatzes an Umweltschutzgruppen.

Patagonia hat sich zum Ziel gesetzt, hochqualitative, langlebige Produkte herzustellen – und bietet seinen Kunden sowohl einen Reparatur-Service an als auch die Möglichkeit, die alten Produkte zurückzusenden und sie direkt dem Recycling zuzuführen, sodass aus den alten Kleidungsstücken wieder neue entstehen können. Aber auch noch tragbare Ware möchte Patagonia so lange wie möglich in diesem Kreislauf behalten und hat deshalb das „Worn Wear“-Programm ins Leben gerufen, bei dem sie die Besitzer auffordern, ihre alten Sachen doch weiterzugeben und weiterzuverkaufen.

Es geht um den Wert der Dinge, den wir ihnen beimessen. Patagonia-Kunden kaufen laut Unternehmensaussage weniger, aber dafür nachhaltig produzierte und länger haltende Dinge. Gerade in der Wirtschaftskrise entwickelte sich der Umsatz von Patagonia rasant: Seit 2008 stieg der Umsatz Jahr für Jahr um 25 %, denn gerade in der Krise achten die Menschen auf Qualität.

Qualität im Produkt, Verantwortung für die Zulieferer, Recycling der Produkte, klare, transparente Kommunikation, gesellschaftliches Engagement… Patagonia zeigt auf, wie man erfolgreich mit „Green Marketing“ auch in umkämpften Märkten bestehen kann.

Regelmäßig mehr zum Thema findet sich im greenmakketing-Blog. Wer nun zu faul zum Lesen ist, der kann sich auch die Einführung in die „Green Marketing“-Video-Vorlesung ansehen:

Und als besonderes Schmankerl hier noch das Interview mit dem Soulbottles-Gründer Georg Tarne:

Dufte! Wenn die Cola nach Sommer riecht…

Wer kennt das nicht: Wenn im Ofen der Kuchen vor sich hin backt, in der Pfanne der Knoblauch bruzzelt oder im Topf das Gulasch schmort, dann läuft uns das Wasser im Munde zusammen, wenn bereits nur der Duft aus der Küche uns in die Nase steigt…. Das klappt heute natürlich auch an der Bushaltestelle:

Gerüche gehen direkt ins limbische System und haben daher eine große Wirkung – und werden immer häufiger gezielt im Marketing eingesetzt. Anlass genug, um bei den Herren von „Zweiaufeins“ im „radioeins„-Studio über Marketing für alle Sinne zu sprechen. Nachzuhören hier:

Den Geruch von Vanille lieben wir, weil er uns an Muttermilch erinnert, Lavendelgeruch öffnet das Portemonnaie, Zwiebelgeruch lässt Männer männlicher wirken, Zitronenduft macht sie femininer… die Liste der Duftwirkung ist lang – und wissenschaftlich nicht unumstritten. Wer nun nicht als lebende Zwiebel auf die Pirsch gehen möchte, kann es ja einmal mit den kernigen Duft von Speck versuchen:

 

Doch Hotels, Shops und selbst Zahnärzte setzen immer häufiger auf den richtigen Geruch, wenn es ums Marketing geht:

Auch die Deutsche Bahn experimentierte in den letzten Jahren mit bedufteten Zügen; Jasmin, Veilchen und Rosenholz  lassen den Bahnfahrer gnädiger werden, wenn der Zug Verspätung hat. Oftmals riechen wir diese Duftnoten nicht bewusst, manche Menschen können auf die synthetischen Stoffe allerdings allergisch reagieren.

Gerüche werden somit zum „Corporate Smell“, zum unsichtbaren Duftlogo: Das Swissotel riecht zum Beispiel nach Enzian, Edelhölzern und roter Pfefferbeere – so wie die Schweiz eben….  Dieser Markenduft wird dann oftmals auch konsequent weitergeführt bis zum Geruch der Seifen und Shampoos auf den Hotelzimmern. Ziel ist es, dass die Hotels der Kette weltweit dann bereits am Geruch erkannt werden können und sich ein wohliges Gefühl der Vertrautheit einstellt.

Doch natürlich werden Düfte auch manipulativer benutzt: Kunstleder-Schuhe werden mit Ledergeruch aufgepimpt, Orangen mit Orangenduft besprüht, damit sie intensiver riechen, und Gebrauchtwagen werden mit „Neuwagenduft“ behandelt, was zu einem deutlich höher erzielbaren Verkaufspreis führt. Experimente zeigen, dass der gezielte Einsatz von Produktgerüchen am Point-of-Sale bis zu 80% mehr Verkauf erzielen kann. Kein Wunder also, dass wir zunehmenden Geruchsattacken ausgesetzt sind. Manchmal ist es dann auch zuviel: Die Kleiderkette Abercrombie & Fitch sah sich heftiger Kritik ausgesetzt, da das massive Verströmen ihres süßlichen Parfüms in den Ladenräumen ganze Einkaufszentren olfaktorisch verseuchte. Was die Erwachsenen störte, kam bei den Kids an, denn die erkannten die Produkte der ehemaligen Kultmarke an eben diesem Duft.

Wer jetzt noch Zweifel am Duftmarketing hat, der erinnere sich doch einmal an die Sommer seiner Kindheit. Welcher Geruch steigt einem da in die Nase? Wer jetzt an Sonnencreme denkt, könnte demnächst Opfer von Coca Cola werden: In den USA wurden an den Verkaufsregalen die Düfte der beliebteste US-Sonnencreme der 60er & 70er Jahre verströmt, der die Kunden an Sommer, Sonne, Strand und Kindheit erinnerte – und sie zugreifen ließ…