makketing spricht… über Weihnachtsgebäck

Vorweihnachtszeit, 1. Advent – und endlich Lebkuchen, Spekulatius und Dominosteine…. wenn man das Zeug nur noch sehen könnte! Denn seit September gibt es den Weihnachtssüßkram ja schon im Handel zu kaufen – und alle Gelüste (diesbezüglich) sind längst schon befriedigt.

Aber warum ist das denn so, wollten die Herren von 2aufeins bei radioeins wissen und luden mich zum Interview (diesmal nur telefonisch, da ich noch zur Weihnachtsmarktforschung in Leipzig weilte) – das sich hier nachhören lässt:

Die Antwort ist so schnöde wie einfach und ist auf den ewiglichen Grundsatz von Märkten zurückzuführen: Angebot und Nachfrage. Selbst wenn sich, wie die Marktforscher von YouGov jüngst veröffentlicht haben, 63% der Deutschen von dem frühen Verkaufsstart genervt fühlen und 47% sich sogar in ihrer Vorfreude beeinträchtigt sehen, so greifen jedoch 37% der Bevölkerung gierig zu, sobald der erste Lebkuchen im Regal auftaucht.

Regalplätze sind wertvoll – und daher teuer. Und kein Supermarkt der Welt würde Platz verschwenden, für Artikel, die nicht nachgefragt werden. Gäbe es also keine Käufer, würde es auch keinen frühen Verkaufsstart geben.

Die Händler haben zudem das große Bestreben, das Zeug auch loszuwerden, denn Weihnachtsschokolade & Co lassen sich nach dem Fest selbst stark reduziert kaum noch absetzen – das Ziel lautet daher, die Bestände so früh wie möglich ab- und auszuverkaufen. Das „Herbstgebäck“ wie es in der Handelsfachsprache so schön heißt, wird dabei stets ab der KW (Kalendarwoche) 35 angepriesen – und Conaisseure geifen auch deshalb dann schon zu, weil die Ware so frisch wie nur möglich ist, schließlich wurde sie ja gerade erst produziert.

Lebkuchen gab es zudem früher einmal das ganze Jahr über zu kaufen. Erst während des 30jährigen Krieges wurde es zunehmend schwieriger, an die Zutaten zu gelangen, so dass die Produktion nur noch auf „besondere Anlässe“ beschränkt wurde.

So wird es also weiterhin heißen: des einen Freud, des anderen Leid. Vielleicht entdeckt ja im kommenden Jahr ein Supermarkt die Nische und wirbt mit „Lebkuchenfrei bis zum 1. Advent!“…

 

Tanz den Mussolini…

..tanz den Jesus Christus! – trällerten wir zumindest in meiner Jugend. Ich will hier natürlich nicht in den kulturpessimistischen Kanon einstimmen, dass das Jungvolk von heute ja gar nicht mehr weiß, wer Jesus Christus war, geschweige denn Mussolini, aber immerhin zeigt die folgende Kampagne, dass man mit „Tanz den Dunk! Tanz die Granate! Tanz den Touchdown!“ mehr Nähe zur begehrten Zielgruppe herstellen kann:

Immerhin: Es geht hier um Tanz, klassischen Tanz! Da behaupte noch einmal jemand, diese Gamer hätten keine Kultur…

Tanz deinen Sieg! Und ich freu mich jetzt schon auf die Einsendungen (und ich hoffe, sie werden zumindest genauso… so…. so „entertaining“ wie diese hier).

 

 

Menschen, Tiere, Knopf im Ohr

Das Kuscheltier ist in seiner Bedeutung und Wertigkeit ja mitnichten zu unterschätzen:

Wenn ich da von Wertigkeit spreche, dann sticht eine Marke natürlich sofort heraus: Steiff, die Marke mit dem Knopf im Ohr. Und wie der Knopf dahin kam, dass wollten die Jungs von Zweiaufeins gerne wissen – und so besuchte ich radioeins an einem herrlichen Novembermorgen…

Der berühmte Teddy wurde nicht, wie viele glauben mögen, von Margarete Steiff erfunden, sondern von Richard, ihrem Neffen, der 1902 den Prototypen „55PB“ (55cm stehend, Plüsch, beweglich) auf den Markt brachte. Der Bär wurde sehr schnell zum Verkaufsschlager; nach zwei Jahren setzte die Firma bereits 12.000 Stück pro Jahr ab, viele davon nach Amerika. Ein weiterer Neffe, Franz Steiff (insgesamt hatte sie fünf Neffen), ersann dann 1904 den berühmten Knopf als Markenzeichen zum Schutz vor Nachahmungen. Ursprünglich zierte ihn ein Elefant (aufmerksame TV-Gucker wissen, dass Margarete Steiff zuerst ein Nähkissen in Elefantenform herstellte), doch schon bald nahm er die uns bekannte Form an:

Ein Markenzeichen hat viele Funktionen: Es ist eine gute, deutlich erkennbare Markierung, es garantiert Qualität, bezeugt die Herkunft und schützt vor Nachahmung – nun ja, heutzutage muss man eher schreiben: soll vor Nachahmung schützen….

Allerdings hat Steiff in diesem Jahr einen wichtigen Prozess verloren: Jeder Teddy darf einen Knopf im Ohr haben, befand das Gericht der Europäischen Union (EuG). In diesem Streitfall ging es um eine sog. „Positionsmarke“, mit der ein Hersteller ein bestimmtes Zeichen an einer ganz bestimmten Position schützen lassen kann. Gerade im Textilbereich werden diese Marken oft beantragt, um Etiketten an gewissen Stellen („Levis“) als Marke zu sichern. Leider, leider kam man bei Steiff erst vor vier Jahren auf die Idee, diesen Schutz zu beantragen: In Deutschland erlaubt, lehnte es das Gemeinschaftsmarkenamt (HABM) ab. Das Gericht befand nun, dass der Knopf im Ohr ein übliches Gestaltungselement und nicht schutzfähig sei.

Die Firma Steiff wird es überleben, denn schon längst fertigen sie nicht nur Stofftiere, sondern bieten  auch Bekleidungskollektionen an und stellen Autoventile (!) her. Das Geschäft läuft weltweit sehr gut und da eben das geliebte erste Kuscheltier eine große Bedeutung im Leben vieler auch mittlerweile älterer Menschen spielt, gibt es inzwischen Replika der alten Stofftiere. Der Nachbau des Teddy von 1908 schlägt dann mit 469 Euro zu Buche…. golden memories.

Bleiben wir beim Gold: Es gibt auch den 125 Karat – Teddy:

Der edle Steiff typische Mohair wurde bei unserem 125 Karat Teddybären mit feinster Rohseide veredelt, wodurch er einen unvergleichlichen Glanz erhält. Darüber hinaus wurden in Handarbeit glitzernde Goldfäden in das weiche Fell eingeknüpft. Schaut man dem Teddybären in die Augen, hat man das Gefühl, in einem Sternenhimmel zu versinken. Die in 750/000 Gelbgold (18 Karat) gefassten Augen haben als Pupillen zwei Saphir-Cabochons von ca. 11 mm Durchmesser und ca. 6 Karat, um die jeweils 20 Brillanten à 0,025 Karat eingelassen sind.

Nase und Mund des Teddybären sind aus 24-karätigem Feingold gearbeitet – ebenso wie seine Jubiläums-Medaille und der original Steiff „Knopf im Ohr“.
Die goldenen Details geben dem 125 Karat Teddybären seinen Namen.

heißt es auf der Website.

Die auf 125 Stück limitierte Edition zum Jubliäum ist leider bereits ausverkauft, der Liebhaber-Preis liegt momentan bei 29.500,- Euro, falls dann wieder einer erhältlich sein sollte.

Doch der wahre Wert eines Kuscheltieres liegt nach wie vor ganz woanders:

Einen spannenden Blick hinter die Kulissen kann man hier werfen: