Porno ja! Aber bitte familienfreundlich…

Was nach billiger Suchmaschinen-Optimierungsmasche klingt, hat natürlich einen seriösen Hintergrund: Das Internet Porno-Portal „Pornhub“ rief im März dazu auf, kreative UND familienfreundliche Werbeideen einzusenden, die – natürlich – jugendfrei sein sollten.

Die Resonanz war überwältigend und nun stehen die 15 Finalisten fest. Darunter befinden sich Spot-Perlen wie diese hier:

aber auch anregende Anzeigenkreationen:

Alle Finalisten und die Möglichkeit, für euren Favoriten abzustimmen, findet ihr hier: pornhubcampaign

Klein ist das neue Groß…

Produkt-Modifikationen gehören spätestens seit unserem Säulenheiligen Ansoff zur täglichen Arbeit der Entwicklungsabteilungen. Wurde jahrelang alles nur noch größer und größer, so kehrt sich der Trend nun um. Nicht mehr mini, sondern minimini ist jetzt angesagt, z.B. Schokoriegel in Bites-Form (spart das mühselige Abbeißen….) – eine so gute Idee, dass man sich glatt fragen könnte: Warum sind die da nicht schon eher darauf gekommen? Antwort: Die Achtziger waren schuld…

und das gleich doppelt:

Doch auch Coca Cola hat sich dem Mini-Format verschrieben; die neuen Kleinstbüchsen sollen nur noch 90 Kalorien enthalten (sprich: einen Schluck). Großer Vorteil der Petitessen: Man spart enorm Platz. So ein Kiosk schrumpft dann gleich mal auf Hüfthöhe, wie man kürzlich in Berlin erleben konnte:

Da komme selbst ich erdnaher Murkel mir bald als Riese vor…

 

Sine copiare et impera!

Für irgendetwas muss das große Latinum ja gut gewesen sein… Divide et impera – teile und herrsche – benannte Machiavelli 1532 die Strategie, Gruppierungen in Untergruppen einzuteilen, um diese leichter zu beherrschen.

Wer heute jedoch im Marketing erfolgreich sein möchte, sollte seinen Markt nicht nur segmentieren (dividere), sondern auch zulassen, dass die Nutzer die eigenen Inhalte kopieren und bearbeiten. Sine copiare – lass das Kopieren zu! (Falls das falsch formuliert sein sollte, so bitte ich meinen Lateinlehrer posthum um Vergebung)

Der Erfolg viraler Kampagnen hängt nämlich davon ab, ob, wie schnell und wie erfolgreich sie kopiert werden, denn jede Parodie erweist sich als huldvolle Referenz an das Original.

Das berühmte First Kiss Video, das ja auch nur Werbung für eine Modemarke ist (über 80 Millionen Klicks), wurde in kürzester Zeit vielfach kopiert, vom „First Blowjob“ bis hin zur Minecraft-Variante oder zum „First Sniff“:

Zunehmend lassen sich dabei zudem andere Anbieter finden, die auf einen fahrenden Erfolgszug aufspringen:

Die Kunst ist es, diese Parodien gelassen zuzulassen… Auch der bislang erfolgreichste deutsche Clip (10 Millionen Klicks), Supergeil, hat wunderbare Nachahmer gefunden:

Und der legendäre Van Damme – Spot von Volvo (über 72 Millionen Klicks) fand kreative Antworten, u.a. von Chuck Norris:

die dann wiederum beantwortet wurde:

Es ist noch gar nicht allzu lange her, da hätten Unternehmen jeden Nachahmer, jede Kopie verfolgt, belangt, verboten. Nicht nur wäre das heutzutage ohnehin technisch vergeblich, es ist auch die Einsicht entstanden, dass User, die sich mit dem Material beschäftigen, nur zum Ruhm beitragen können.

Diese Offenheit ist in der Tat ein Erfolgsrezept: Auch MC Fitti, der vollbärtige Sohn (?) vom Supergeil-Lichtenstein, verbietet seinen Fans nicht das Remixen seiner Songs, sondern animiert sie dazu und teilt diese über seine eigenen Social Media – Kanäle weiter. Zusammen mit den über 100 Videos, die er auf seinem Youtube-Kanal zur Verfügung gestellt hat, hat er sich eine solide Fanbase erarbeitet, die ihn dann in das Bewusstsein der breiten Masse getragen hat.

Teilen alleine macht heute also den viralen Erfolg nicht mehr aus – die Bearbeitung bringt’s!

 

23 Thesen zur Zukunft der Medien – and beyond!

Zeit- und ortsgleich zur diesjährigen re:publica findet die Media Convention statt und ist eine erfrischende Ergänzung, wenn man das allgegenwärtige Thema „Datensicherheit“ nicht mehr hören kann.

Dort wohnte ich nun dem auch sehr nachlesenswerten Vortrag „23 Thesen zur Zukunft der Medien“ der Journalisten Jessica Binsch, Ole Reißmann und Hakan Tanriverdi bei. So visionär wie erhofft ist der Blick in die Zukunft dabei gar nicht, sondern eher eine Beschreibung der Gegenwart – und das zeigt meiner Meinung nach genau die Grundproblematik auf: Leicht kopflos und panisch guckt man in der Medienwelt zu, was da alles passiert, aber keiner gibt einen Kurs vor.

Ergänzend zu den 23 Thesen möchte ich daher noch folgende Überlegungen in den Ring werfen:

Formate ändern sich – müssen Inhalte mitziehen?

Dass Inhalte sich vom Träger gelöst haben, ist nun nichts Neues mehr: Musik braucht als Träger weder die Vinyl-Schallplatte noch die CD, ja wir müssen sie nicht einmal mehr physisch auf dem Rechner „besitzen“. Gleiches gilt für Filme oder Serien, die wir heute ebenso streamen können. Aber muss denn der Trägerwandel zwangsläufig auch einen Inhaltewandel bedingen? Wird jetzt andere Musik komponiert, weil es Spotify gibt, andere Filme produziert, weil wir maxdome nutzen? Niemand käme auf die Idee, seine Fernsehserie ab sofort in kleinen 3-Minuten-Häppchen abzudrehen oder auf Totale zu verzichten, nur um damit dem Smartphone-Zuschauer und seinem Mini-Screen gerecht zu werden.

Als Nutzer sind wir jedoch autonom geworden – wir entscheiden selbst, ob wir eine Zeitung noch als Papierprodukt lesen wollen (aus Gewohnheitsgründen – und weil wir die Zeit dazu haben) oder uns den schnellen Nachrichtenüberblick via Smartphone verschaffen möchten. Ob das jedoch das erste ist, was wir morgens tun, wie in These 2 formuliert, wage ich zu bezweifeln, denn das morgendliche Begleitermedium ist immer noch das Radio.

Masse macht’s nicht

Auf den Community-Barcamps höre ich die Verantwortlichen jammern, dass jedes beliebige Katzenbild mehr Klicks bekommt als der mit Mühe verfasste Beitrag. Wenn ich nach Masse schiele, dann sollte ich nur noch Katzenbilder posten. Es geht aber nicht um Quantität, sondern – immer noch – um Qualität. Die Fixierung auf die Klicks (These 10) führt zwangsläufig dazu, dass die Qualität leidet, denn alles muss massentauglich sein und somit auf den kleinsten gemeinsamen Nenner runtergebrochen werden, um quantitativen Erfolg zu haben. Wenn das tatsächlich das angestrebte Ziel sein soll, dann: „Gute Nacht, lieber Journalimus“.  Das eigentliche Problem, das hier dahinter steht, liegt immer noch darin, dass keine qualitativen Geschäftsmodelle entwickelt wurden, sondern dem Werbekunden nach wie vor Reichweite verkauft wird – obwohl die Werbekunden schon längst erkannt haben, dass Kontaktzahlen allein nur noch den Controller interessieren.

Dass Qualität funktioniert – und vom Nutzer wie auch vom Werbekunden geschätzt wird – , zeigen gerade die Nischenprodukte: Zeitschriften wie „mare“, „enorm“ oder „Reportagen“, das wachsende Interesse an Dokumentationen oder das Wiedererstarken der wortlastigen Radiosender.

Qualität erreicht nicht immer die Masse, schon gar nicht, wenn man mutlos ist oder auf ausgetrampelten Pfaden bleibt. Die ermüdende Diskussion um die amerikanischen Qualitätsserien wie „Breaking Bad“ oder „Homeland“, die wir alle lieben, die aber in Deutschland ja nur ach so wenige Zuschauer erreichen im Vergleich zu jeder „Let’s Dance“-Folge, ist müßig. Wenn ich die Masse erreichen will, muss ich Volkstheater machen, wenn ich meinen eigenen Anspruch habe, Qualitätsprogramme – und dafür mein Geschäftsmodell entwickeln (ist zugegebenermaßen schwieriger).

„Vergesst die Nische!“ (These 11) kann daher nicht die richtige Losung sein, sondern es müßte heissen: „Lebt die Nische!“. Ich bin bereit, für Qualität zu zahlen und nicht für Beliebigkeit. Wie sagte Oma immer so schön: „Was nichts kostet, ist nichts wert; was viel kostet, ist viel wert.“

Medien müssen Marketing machen

„Wenn wir es nicht machen, machen es die anderen.“ (These 7). Richtig. Und warum? Weil die, die etwas von Marketing verstehen, begriffen haben, dass und wie sie Content anbieten müssen und können. Viele Medien haben aber meiner Meinung nach bis heute keine Ahnung davon, wie sie Marketing machen sollen.

E-Plus, Coca Cola, Red Bull, um nur einige zu nennen, bieten mittlerweile auf allen (eigenen!) Medien-Kanälen Inhalte an. Red Bull beispielsweise betreibt ein Medien- und Verlagshaus und bringt – sehr erfolgreich – Zeitschriften heraus und betreibt mit „Servus TV“ seinen eigenen Fernsehsender. Und warum? Weil sie es können. Weil es Marketingprofis sind, die ganz dicht an ihren Zielgruppen arbeiten. Die etwas von Profilierung und Positionierung verstehen – und wissen, dass man etwas einzigartiges anbieten muss, wenn man Erfolg haben möchte.

Immer nur mehr vom ewig gleichen führt in die Belang- und Bedeutungslosigkeit. These 6 ist reines Gift aus Marketingsicht. Es gibt unendlich viele Wissensmagazine (selbst von Hörzu) im Print- wie auch im TV-& Hörfunk-Bereich. Ich möchte nicht mehr von jedem alles immer wieder faktenreich erklärt bekommen. Ich möchte wissen, was die Menschen denken und fühlen, denn nichts interessiert Menschen mehr als andere Menschen. Der Erfolg von „brandeins“ liegt beispielsweise nicht darin, dass man mich wie ein kleines Kind an die Hand nimmt und mir die große Welt der Wirtschaft zeigt, sondern mir Menschen bekannt macht und erklärt, was sie umtreibt.

Ein Medium, das es nicht schafft, sich ein klares, wiedererkennbares Profil zu geben, das es nicht schafft, sich am Markt zu positionieren, in dem es Dinge anders macht als die anderen,das es nicht schafft, relevant zu sein für seine Zielgruppe (und das geht ausschließlich über Qualität), hat auf lange Sicht keine Überlebensberechtigung.

Mehr dazu findet ihr auch bei diesen beiden älteren Posts:

Quo vadis, Zeitung

Wieso Barack Obama Werbung für Dosensuppe macht… also indirekt

Und wer jetzt solange durchgehalten hat, der wird – wie gewohnt – mit Bewegtbild belohnt:

 

 

 

 

 

 

Virales Marketing auf den Punkt gebracht

Botschaften ansteckend machen – das ist das hehre Ziel hinter dem viralen Marketing. Klingt immer ganz einfach, ist aber ganz schön schwer, denn damit ein viraler Spot sich wirklich verbreitet und Erfolg hat, müssen einige Zutaten stimmen, wie ich in einem der kommenden Posts aufzeigen werde.

Just bin ich aber gerade über den wunderbaren Spot der Webguerillas gestolpert, der – ohne viele Worte darum zu machen – das Prinzip auf den Punkt bringt (und Sex sells ja immer):

Spürt ihr auch so ein Jucken…? 🙂

Kontakte schaden halt nur dem, der sie hat, wie ich ja schon an anderer Stelle ausgeführt habe – es geht stets um die Qualität und nicht um die Quantität. Demnächst mehr!