Proaktiv, probiotisch, proidiotisch

An manchen Sonntagen ist mein Aktivitätsgrad besonders hoch, dann springe ich nämlich gleich nach dem Frühstück ins Auto und fahre nach Postdam-Babelsberg zu radioeins. Auch heute durfte ich mit den Herren von zweiaufeins ein wenig plaudern und zwar zu Thema „aktiv“ (nachzuhören… wie immer…  hier im talketing-Blog).

Besonders aktiv werden die Marketingmenschen nämlich, wenn es darum geht, den Kunden Lebensmittel – und hier insbesondere sogenanntes „funktional food“ anzudrehen. Nahrungsmittel, die durch probiotische oder andere Zusätze irgendeinen Einfluss auf unsere Gesundheit haben sollen – einen proaktiven natürlich – so wie becel:

Tja, selbst Schuld, wenn man sich die ganze Zeit nur vom Bruzzler ernährt…

Aber auch dieses „aktiv“-Produkt ist bestimmt allen bekannt:

Aber: Darf überhaupt mit solchen fragwürdigen Versprechen geworben werden? Ja und nein. Seit 2008 prüft die europäische Lebensmittelbehörde EFSA alle Lebensmittelprodukte, die eine Gesundheitsaussage treffen, auf deren Richtigkeit, denn schließlich sollte der Verbraucher davor geschützt werden, die teuren „probiotischen“ Joghurts zu kaufen, wenn ein ganz normaler doch genauso gesundheitsfördernd ist. Spiegel online schrieb schon 2008:

Und das ist erstaunlich, denn der probiotische Joghurtdrink ist etwa so wirksam wie normaler Naturjoghurt – allerdings mehr als doppelt so teuer. Knapp zwei Euro müssen die Verbraucher für eine Packung mit vier Fläschchen à 100 Milliliter zahlen – während es einen 500-Gramm-Becher mit gewöhnlichem Naturjoghurt zur Hälfte des Preises gibt.

44.000 Claims sind seit 2008 bei der EFSA eingereicht worden, die diese dann zu 4.600 Hauptaussagen zusammengefasst hat. Davon sind 1.600 bereits abgelehnt worden, 241 wurden zugelassen. Unter anderem die von becel pro-aktiv, die aufgrund der Verwendung von tatsächlich cholesterinsenkenden Pflanzensterinen, auch weiterhin behaupten dürfen, den Cholesterinhaushalt alter Männer in Schwung zu bringen.

Was nicht zugelassen wurde, muss verändert werden. Und so wirbt Activia (und auch Actimel und andere) schon lange nicht mehr mit den Aussagen früherer Spots, sondern haben diese „entschärft“:

Doof, denn ohne den gesundheitsfördernden Anstrich verkaufen sich die Produkte gleich weniger gut. Daher war es auch nur naheliegend, dass Unternehmen wie Unilever und Danone sich an die Hausärzte gewandt haben mit der freundlichen Bitte, ihre Produkte doch den Patienten zu empfehlen.

Im Bereich der Lebensmittel hat die Health-Claim-Verordnung ganz gut Wirkung gezeigt und so nimmt sich die EU in diesem Sommer eine weitere Branche vor: die Kosmetik. Hier wird bislang noch gelogen und getäuscht, dass sich die Balken biegen. Ob Shampoos mit „liquid light“ oder „Falten weg über Nacht“ – damit dürfte es demnächst ein Ende haben. Gut für die Werbezunft, denn neue Slogans müssen her!

Abschließend aus gegebenem Anlass noch einen kleinen Tipp auf das kommende Kino-Highlight – viel Vergnügen! 🙂

Was koch ich nur, was koch ich nur – oder: Standort verpflichtet

Kochbücher gibt es wie Reiskörner im Risotto – unglaublich viele. Doch jetzt ist ein ganz besonderes erschienen: Baked. Das erste Kochbuch auf Marihuana-Basis. Und wo kommt es her? Richtig: aus Amsterdam. Natürlich.

Nun ja, sieht doch ganz lecker aus…

Was hat das nun aber mit Marketing zu tun??

Achtet doch mal auf die Klamotten des Meisters: Die Modemarke Stüssy ist Kooperationspartner und weiß, sich so bestens in ihrer Zielgruppe zu positionieren. In diesem Sinne: Guten Appetit und guten Flug!