Kontakte schaden nur dem, der sie hat! Schluss mit der Netzwerk-Lüge

Gefühlt finden in Berlin jeden Abend ca. 6.000 Netzwerk-Veranstaltungen statt, mindestens. Und fast jede davon ist so überflüssig wie ein Kropf, denn sie laufen stets nach gleichem Muster ab: Nachdem man seinen Eintritt gezahlt hat, bekommt man ein mehr oder weniger liebevoll gestaltetes Namensschild, das aber stets in einer Schriftgröße gesetzt ist, dass man seinem weiblichen Gegenüber fast in den Ausschnitt fallen muss, um auch nur ansatzweise den Namen lesen zu können. Dann gibt es zur Begrüßung ein lauwarmes Getränk; auf den Stehtischen ziehen Salzstangen die Luftfeuchtigkeit aus dem Raum. Ein uninspiriert gehaltener Vortrag, meist zum Thema „das ultimative Verkaufsgeheimis“ wahlweise „mein Produkt ist das Beste“ verbreitet seine einschläfernde Wirkung (man hat ja schließlich den ganzen Tag gearbeitet), bevor es nach  dem üblichen  „Hat noch jemand eine Frage?“ (natürlich nicht, außer dem Streber in der ersten Reihe, der immer der Meinung ist, alles besser zu wissen als der Redner und sein Kluggescheisse auch unbedingt allen im Raum kundtun möchte) in den „gemütlichen“ Teil des Abends übergeht, nie ohne den Hinweis natürlich, man möge doch seine Visitenkarten bereithalten (sollte ich an dieser Stelle noch ein einziges Mal diesen dummen Bauernfänger-Tipp hören, doch stets 2 Visitenkarten auszugeben… werd ich zum Tier!!) und ordentlich networken. Ist der Gastgeber besonders witziger Natur, betont er das: nett worken. Haha…Ab sofort ist man dann Freiwild für jegliche Form von Finanzdienstleistern und Versicherungsvertretern, freien Grafikdesignern und anderen Dienstleistern, denen vor lauter Freude, ein potentielles Opfer vor sich stehen zu haben, schon die Euro-Zeichen in den Augen blinken und der Auftragssabber aus den Mundwinkeln läuft…

Klingt vertraut? Kommt bekannt vor? Selbst schon durchlitten?

Netzwerkkabel-Party

Netzwerkkabel-Party

Es ist an der Zeit, mit dieser großen Netzwerk-Lüge abzurechnen, die uns ständig um die Ohren gehauen wird: Kontakte schaden nur dem, der sie nicht hat. Ist Blödsinn. Denn in Wirklichkeit schadet einem diese Art von Kontakten nur. Denn wehe, man hat diesen Aasgeiern der Netzwerkszene aus Versehen seine Karte ausgehändigt: Ab sofort wird man mit mails, Mailings, Anrufen zugeschüttet, die meist unter dem einen oder anderen Vorwand eigentlich nur eins wollen: verkaufen.

Spart euch diese Zeit. Bleibt zuhause. Lest ein gutes Buch. Oder ein Fachmagazin. Das ist allemal eine bessere Verwendung der Lebenszeit als der Besuch einer Netzwerkparty (abgesehen davon: Party geht auch irgendwie anders). Es ist Unfug zu glauben, dass man möglichst viele Kontakte haben muss, denn Quantität zeugt höchstens von Aufdringlichkeit und selten von Substanz. Es ist die Qualität der Kontakte, die man hat, und nicht die pure Menge, die den Erfolg ausmacht. Nebenbei bemerkt: Entscheider und die wirklich wichtigen Menschen gehen nicht auf Netzwerk-Veranstaltungen („Willst du was gelten, mach dich selten“ – sollte man mal drüber nachdenken…), sondern nur Menschen, die irgendwas von einem wollen… s.o.

Das gleiche gilt übrigens ebenso für Netzwerk-Portale wie XING: Auch diese sind mittlerweile verseucht von windigen Anbietern, die „5 Neukunden am Tag – garantiert ohne Kaltakquise!“, „Umsatzsteigerungen jetzt realisieren“ oder „Ständig und immer Erfolg. Für jeden. Tag und Nacht“ versprechen. Im Grunde sind diese nichts anderes als eine moderne Form der Quacksalber auf den alten Märkten, die mit Wundertinkturen und allerlei Hokuspokus versuchten, ihre Mitmenschen über’s Ohr zu hauen.

So funktioniert der Netzwerk-Gedanke eben nicht und das Vollmüllen solcher Portale und dieser Veranstaltungen tun ihr übriges dazu, dies bestens zu demonstrieren. Es geht nicht darum, wieviele Menschen man kennt, sondern wen man kennt. Man braucht die Influencer, die Multiplikatoren, die Knoten, die sich jedoch sehr genau aussuchen, wen sie kennen wollen und wen nicht. Wichtiger, aber auch mühevoller ist es daher, herauszufinden, wer für mich ein guter Knoten wäre – und ein Knoten ist immer mehr Mentor als nur ein Kontaktbär.

Es ist aber auch viel schwieriger, einen Knoten von sich zu überzeugen als auf einer Netzwerk-Party ein wenig Smalltalk-Blaba und seine Visitenkarte loszuwerden. Doch die Wirkung ist eine viel höhere, denn nur, wenn der Mentor überzeugt ist, wird er aktiv weiterempfehlen und weitere wertvolle Kontakte herstellen.

Statt seine begrenzte und wertvolle Lebenszeit auf langweiligen Netzwerkabenden zu verschwenden, sollte man sich lieber auf die wenigen Menschen konzentrieren, die wirklich Bedeutung für einen haben können. If networking ist not working – try knotworking….

Vive la France! Vive le slip francais!

50 Jahre deutsch-französische Freundschaft, das ist doch einmal ein guter Anlass, um nach herausragenden Marketing-Ideen unseres Nachbarn zu suchen – upps, schon gefunden!

Über 700.000 Klicks – so funktioniert virales Marketing!!

In der Tat ist „le slip francais“ zur Zeit der Renner in Frankreich – komplett made in France und benannt nach französischen Atom-U-Booten. Der junge Gründer Guillaume Gibault ruft den Franzosen zu, dass es jetzt Zeit zum Wechseln sei:

Eine Kampagne, die Spaß macht, ohne Frage – und die uns doch den großen Unterschied in der Herangehensweise zeigt. Ein Produkt, das komplett im eigenen Lande produziert wird, kommt in Frankreich leicht und humorvoll daher – und bei uns? Da wird’s dann affig…

Und deutsche Unterbuxen, nach Kriegsschiffen benannt?? Die Schiesser (!) „Tümmler“? Da stossen wir aber sehr schnell an die Akzeptanzgrenze… 🙂

Hach Frankreich, du hast es einfach besser…

Ob es #mooc auch an der MU gibt? #mmc13

Ich fürchte, die meisten verstehen bei diesem Titel nur „Bahnhof“ – im besten Fall…. Doch das Weiterlesen lohnt sich, denn ich löse es auf: versprochen!

MOOC sind „massive open online courses“ und zeigen in der Theorie wie in der Praxis auf, wie Unterrichten und Lernen in naher Zukunft aussehen könnten (und zum Teil auch heute bereits funktionieren). Also: Wie können Tweets, Blogs, Podcasts, YouTube-Videos usw. eingesetzt werden, um Menschen Inhalte nahezubringen?!

Die Tools und Techniken, die hier entwickelt werden, werden – natürlich – auch Auswirkungen auf das Marketing haben, denn auch Markeninhalte und Botschaften wollen „gelernt“ sein. Die Berührungspunkte sind schon heute zahlreich.

Ob die MU als Universität auch schon so weit ist, diese modernen Lernformen anzubieten? Wie? Ihr kennt die MU nicht?? Die führende Universität für….

…ähem… Monster. Auf der Website kann man sich ausführlich über das exquisite Kursangebot informieren:

MUniversity

Film-Marketing der besonderen Klasse, jenseits der klassischen Trailer.

Last but not least: #mmc13 ist die Verbindung zum derzeit stattfindenen MOOC-Maker-Course, an dem Interessierte lernen können, wie MOOC organisiert und erfolgreich umgesetzt werden. Natürlich findet der Kurs als MOOC statt… ein ungemein spannendes Projekt, reinschauen lohnt sich!

Window-Shopping wörtlich genommen…

Einen QR-Code von einer Schaufensterscheibe einscannen ist mittlerweile ja ein alter Hut (…und soo 2012). Denn neben dem Trend, nur noch Schau-Räume einzurichten, in denen die Ausstellungsstücke betrachtet, aber nicht gekauft, sondern nur via Smartphone bestellt werden können (z.B.  DaWandas „Snuggery“ in Berlin-Charlottenburg oder die seit langem geplanten amazon-Retail-Stores), entwickelt sich das Window-Shopping immer mehr zum Einkaufserlebnis:


Geöffnet 24/7, kein teures Verkaufspersonal mehr nötig und die jugendliche Zielgruppe findet es obercool, endgeil und töfte.

Was wir hier sehen, ist nichts anderes als ein Prototyp für das „Shoppen 2015“ – ganz gleich, ob wir Alten noch verzweifelt an unserem „echten Einkaufserlebnis“ festhalten möchten. Ist der aggressive Versandhandel der eine Sargnadel für den klassischen stationären Handel (und viele Händler empfinden sich jetzt schon als Showroom von amazon: Der Kunde kommt, beschaut und prüft die Ware, um dann noch im Laden via amazon-App das Produkt zu bestellen), werden diese neuen Einkaufsmodelle ihr Übriges tun, um unsere Fußgängerzonen zu veröden.

In Einkaufszentren würde ich jedenfalls nicht mehr investieren….