2012 – makketing im Rückblick

Die WordPress.com-Statistik-Elfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2012 an – wow, über 11.000 Abrufe….

Daher: Ein dickes Dankeschön an alle Leser für euer Interesse!

Hier ist ein Auszug:

600 Personen haben 2012 den Gipfel des Mount Everest erreicht. Dieser Blog hat 2012 über 11.000 Aufrufe bekommen. Hätte jede Person, die den Gipfel des Mount Everest erreicht hat, diesen Blog aufgerufen, würde es 18 Jahre dauern, um so viele Aufrufe zu erhalten.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

„Ich rutsch‘ mal schnell zum Essen“ – Arbeiten bei Google

Als Dave, der Redakteur, mich diesmal zum Gespräch bei „2aufeins“ in „radio eins“ (hier im talketing-Blog nachzuhören) einlud, stockte ich kurz, als er meinte, dass dieswöchige Thema sei „Rutschen“. Während ich in Gedanken schon die Geschichte der verschiedensten Hersteller von Spielplatzrutschen durchgegangen bin, kam schnell die Erleichterung: In Zürich könne man doch bei Google mit der Rutsche in die Kantine flutschen – warum mache man denn sowas?

Stimmt das denn überhaupt? Es stimmt. Das Hauptquartier von Google in Zürich ist weniger Arbeits- als Spielplatz:

BBC Google Zurich from Camenzind Evolution on Vimeo.

Und auch im neuen Londoner Büro durfte der Innendesigner mal so richtig ausflippen:

Selbstredend gibt es im Marketing dafür eine Fachbezeichnung, denn auch die Mitarbeitermotivation und -förderung durch Raumgestaltung ist eines der vielen Instrumente des Marketing-Mixes. Und da die alle mit „p“ anfangen (die 4 berühmten „P“s lauten product, price, placement und promotion), beginnt auch dieses mit „p“: physical facilities.

Ausgangspunkt ist die Erkennntis, dass glückliche und zufriedene Mitarbeiter mehr Milch geben – im Sinne von Kreativität, Loyalität, Einsatz. Und so, wie Kühe nicht mehr auf engsten Raum gehalten werden wollen und sollen, so sind auch die Zeiten der Großraumbüros passé. Für Google (und die andere wie adidas, Vodafone oder Siemens) ist dies zugleich ein Wettbewerbsvorteil, wenn es um den Kampf um die besten Köpfe geht, denn viele Uni-Absolventen wollen natürlich lieber an einem so coolen Ort arbeiten und nicht in langweiligen Büroräumen.

Für die Konzerne ist es zudem eine Frage der Kosten: Selten sind alle Arbeitsplätze besetzt, gut 40% aller Büroplätze bleiben aufgrund Krankheit, Urlaub und Aussenterminen unbesetzt. Es ist daher auch eine reine Notwendigkeit, dem Mitarbeiter keinen festen, sondern möglichst einen mobilen Arbeitsplatz einzuräumen. Dank Laptop, Handy und Rollschrank ist das nun möglich.

Die Änderung unserer Arbeitszeiten, die Mobilität und der immer stärker werdende Wunsch, autark und leistungsorientiert beispielsweise auch von zuhause aus zu arbeiten, verändern die Bürolandschaften. Im Spiegel-online-Interview antwortet der Designer des Londoner Google-Büros auf die Frage:

Frage: Ein Blick in die Zukunft: Wie werden wir in fünf Jahren arbeiten? Wird sich das grundlegend wandeln?

Penson: Ich gehe davon aus, dass es sich schon in zwei Jahren grundlegend ändert, wie unsere Arbeitsplätze aussehen. Ich erledige einen Großteil meiner Arbeit schon heute vom iPhone aus. Und bald werden Tablets die Desktop-PCs und Laptops fast völlig verdrängt haben. Dann braucht man eigentlich gar keinen Schreibtisch mehr und ist viel freier in der Gestaltung seines Arbeitsplatzes.

Es geht also weniger um das Design an sich, das natürlich – logisch – auch irgendwann zur Normalität dazugehört und einen langweiligen Job nicht besser macht. Die Möglichkeit, seine Arbeit selbstbestimmt und losgelöst von 9-to-5-Anwesenheitspflichten ausführen zu können, motiviert Menschen mehr als vieles andere (was die Wissenschaft schon vor Jahren erkannt hat, in der Wirtschaft aber nur schleppend ankam, wie Daniel Pink hier ausführt:

).

Und zu guter Letzt ist eine solch motivierende Innenarchitektur immer auch Werbung in eigener Sache: nicht nur, um die besten Absolventen anwerben zu können, sondern auch, um sich als cooles, hippes, junges, modernes Unternehmen nach aussen zu positionieren. Denn bei weitem nicht alle Google-Offices sind so extravagant wie die in Zürich oder London… Das in Hamburg zum Beispiel sieht ja fast schon ein wenig erbärmlich aus gegen die Flagschiffe… 🙂

2013 – was uns die Zukunft bringen wird…

Auch im kommenden Jahr wird Marketing wieder DAS beherrschende Thema sein (Euro-Krise ist ja auch nix anderes als Marketing)…. Werden Bücher noch gedruckt? Autos noch gekauft? Zeitungen noch gelesen?

makketing stellt sich ganz andere Fragen, zum Beispiel: Muss ich immer noch verschiedene Shirts kaufen? Oder gibt es nicht endlich eins für alle…. Farben. Also nicht bunt, sondern je nachdem… GottseiDank muss ich es nicht näher beschreiben, denn das gibt es jetzt ja schon – in Markenqualität:

Wäscht sich das auch von selbst? Egal, ist auf jeden Fall Buntwäsche….

Aber es gibt noch eine weitere, bahnbrechende Entwicklung – eigentlich streng geheim, aber erste Informationen sind bereits durchgesickert: Bei all dem Mobile-Hype, Tablet-Wahnsinn und App-Gedröhn wurde auf einmal erkannt, worum es wirklich geht… also wirklich wirklich: den Menschen. Ach.

Das wird das Marketing in 2013 natürlich komplett umkrempeln, denn den Menschen hat bislang keiner auf dem Zettel gehabt…. Ob man mit dem was anfangen kann?

Es bleibt spannend…

makketing wünscht frohe Weihnachten!

Alle Jahre wieder… mehr makketing als zu Weihnachten geht ja kaum noch… Dennoch (oder gerade deshalb) wünsche ich allen makketing-aficinados und Lesern dieses Blogs ein traumhaftes Weihnachtsfest, erholsame, ruhige Feiertage und einen guten Rutsch in das Neue Jahr!

Auch 2013 werden wir hier querdenken und schrägschauen und uns einerseits mit dem Marketing der Zukunft beschäftigen und andererseits auch häufig wieder in die Vergangenheit gucken, um festzustellen, dass irgendwie schon alles immer Marketing war…

Ein dickes Dankeschön an dieser Stelle auch an das Team von „2aufeins„, das nicht müde wird, mich zu den ungewöhnlichsten Themen in’s Studio einzuladen…

Jetzt muss ich aber los, das Xmas-Workout ruft….:

 

Chuck, der Mörderturnschuh

…oder verwechsele ich da gerade was?

Anläßlich meines „2aufeins„-Interviews bei „radioeins“ (das hier im talketing-Blog nachgehört werden kann) möchte ich ein bißchen etwas zu den „Converse All Star Chuck Taylor“ erzählen.

Die Chucks sind ein natürlich nicht nur eine Übermarke, sondern ein kulturelles Phanömen, schafft es dieser Turnschuh doch, trotz Massenproduktion (der Absatz liegt weltweit bei einer Milliarde Paar) immer noch ein Stück Subkultur und Teil einer Gegenkultur zu bleiben: Keine Turnschuhmarke steht mehr für Rebellion als die Chucks.

Mit dem Älterwerden der rebellierenden Jugendlichen wird deren Produkt vom Zeichen des Anders-Seins zum Massenprodukt – und taugt für die nachwachsende Generation natürlich nicht mehr als Zeichen des Protestes: Wer will schon gegen die Eltern-Generation aufbegehren – mit deren Symbolen? So ist ein Che Guevara – T-Shirt heute eher ein modisches Statement als ein politisches… Doch der „Chuck“ hat dies geschafft.

Die Firma Converse Rubber Shoe Company wurde 1908 in den USA von Marquis M. Converse gegründet und stellte zunächst nur winterfestes Schuhwerk her. 1917 kam dann der erste Basketballschuh „All Star“ für die noch sehr junge Sportart auf den Markt, denn Basketball wurde erst seit 1891 nach Regeln gespielt. Und zwar zumeist in Tanzsälen und auf deren Parkettböden quietschten die Gummisohlen der Turnschuhe – das typische Geräusch ist bis heute geblieben.

Marquis Converse

Bekanntester Vertreter des vornehmlich noch von Weißen gespielten Sportes war Chuck Taylor, der seit 1918 die Schuhe trug (er war zufälligerweise auch Converse-Mitarbeiter) und bewarb. Er war somit eines der ersten Testimonials für eine Sportmarke in der noch jungen Werbegeschichte.

Seine Signatur prägte dann den runden Knöchelschutz an den Seiten – und so war der „Converse All Star Chuck Taylor“, kurz „Chuck“ geboren.

Der Schuh trat einen Siegeszug an: Bald spielten viele Basketball-Mannschaften mit Chucks, und als der Sport 1936 olympisch wurde, gewannen die Amerikaner die Goldmedaille – natürlich in Chucks.

In den 50er wandelte sich der Sportschuh zum Alltagsschuh und wurde damals in erster Linie von Rockabillies getragen, auch von James Dean und Elvis Presley. Das College-Modell hatten die Beach Boys an den Füßen, Mick Jagger heiratete im Anzug mit Chucks, John Lennon und Yoko Ono trugen sie ebenso.

In den 70ern entdeckten dann die Punks den Chuck – als einzig wirklich tragbaren Turnschuh, wie ein Fanzine damals vermerkte. Die Ramones waren leidenschaftliche Chuck-Träger. In den 80ern vereinnahmte der Hard Rock den Schuh und das damit verbundene Lebensgefühl, als Beispiel sei nur Van Halen genanntn. Und in den 90er wurde mit Grunge ein neuer Höhepunkt der Chuck-Geschichte erreicht (Kurt Cobain trug Chucks, als er sich erschoß).

Die Marke zeigt also eine unglaublich hohe Anpassungsfähigkeit, was zum einen in dem klaren, einfachen Design begründet zu liegen scheint, zum anderen aber mit der Individualisierbarkeit des Produktes: Das weiße Leinen lässt sich hervorragend mit Filzstiften beschriften – vom Peace-Symbol über das Anarchy-Zeichen bis hin zum Band-Schriftzug.

gehört irgendwie zusammen

2001 ging Converse-Konkurs, doch die Produkte gab es immer noch, sie wurden schwarz in China weitergefertigt und auf den Markt geworfen. 2003 kauften Nike die Marke und übernahm offiziell die Massenproduktion, doch selbst dies tat der Kultmarke keinen Abbruch – so trugen in den 2000ern u.a. die Strokes Chucks…

Ob sich die Chucks als Zeichen der Rebellion auch weiterhin halten werden? Ich weiß es nicht, aber selbst Harry Potter trug Chucks… und somit bleibt der „Converse All Star Chuck Taylor“ wohl noch lange der Schuh der „Anders-Seienden“….

tesa macht Musik – die haften bleibt

Ok, mir ist wirklich kein besserer Titel eingefallen…

Anläßlich meines Besuchs bei radioeins und meines Interviews zum Thema „tesa“ mit den Herren von „2aufeins“ (hier nachzuhören) liefere ich hier wieder ein wenig mehr Material.

tesa war lange Zeit eine Sparte der Beiersdorf AG bis es 2011 eigenständig wurde. Paul Carl Beiersdorf versuchte in seiner 1882 gegründeten „Fabrik dermotherapeutischer Präparate“ ein Wundpflaster zu entwickeln, das nicht die Haut reizte. 1890 kaufte der Apotheker Oscar Troplowitz Beiersdorf die Firma ab und entwickelte das Pflaster weiter, das dann 1901 als „Leukoplast“ auf den Markt kam. Der Beiersdorf-Kautschuk-Klebefilm war dabei eher ein Abfallprodukt.

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Troplowitz ist quasi auch der Vater von dem Lippenpflegestift „Labello“, den er 1909 mit einem revolutionären Drehhüllengehäuse verkaufte; 1911 folgte dann die erste Fett- und Feuchtigkeitscreme der Welt: Nivea.

Der Name „tesa“ entstand erst 1908 und geht zurück auf die Beiersdorf-Kontoristin Elsa Tesmer. Diese bekam wie ihre Kolleginnen den Auftrag, Namen zu erfinden und kreierte diesen aus den Silben ihres Namens.

Noch fanden aber der Klebefilm und tesa nicht zusammen. Zunächst wurde unter diesem Name die patentierte Zahnpastatube der Marke Pebeco geführt – mit wenig Erfolg, so dass der Name tesa dann für eine neuartige Tauchmasse zum Überhäuten von Wurstwaren (also einfach: eine Wurstpelle) benutzt wurde.

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Erst 1935, als der Klebefilm weiterentwickelt und transparent wurde kam der Beiersdorf-Mitarbeiter Hugo Kirchberg auf die Idee, diesen „tesa-Klebefilm“ zu nennen – und als „tesa-Film“ hat er es dann in unsere Köpfe, in unseren Sprachgebrauch und in den Duden geschafft. tesa ist einer der bekanntzesten Marken in Deutschland. Seit 1941 hieß die Klebefilm-Sparte dann „tesa“. Kirchberg erfand noch viele weitere Produkte, wie beispielsweise den Abroller, der heute von kaum einem Schreibtisch wegzudenken ist.

Mit dem tesa-Film kam auch tesa-Krepp auf den Markt, gefolgt 1951 von tesa-Moll. Heute gibt es für den Endkunden ca. 300 verschiedene Produkte, die aber nur 25% des Umsatz der tesa SE ausmachen. Die restlichen 75% werden durch ca. 6.200 Produkte für die Industrie erwirtschaftet.

Der Zufall spielte eine große Rolle, als in den 80ern die „Powerstrips“ „erfunden“ wurden: Ein Klebstoff-Techniker vergass, den Deckel des Klebstoffkneters zu schliessen, als er in die Mittagspause ging. Bei seiner Rückkehr war das Lösungsmittel verdampft und er fand eine feste, klebrige Masse vor, die sich jedoch gut abziehen liess. Der mobile Nagel war geboren. Er trägt bis zu 1,5 kg und damit das 1.500fache seines eigenen Gewichtes.

Ach ja, mit tesa lässt sich natürlich auch hervorragend Musik machen… glaubt ihr nicht? Seht selbst: