Such den besten Mitarbeiter, such ihn…

Es ist ja nichts neues: Die Alterpyramide steht kopf, die Jungen werden immer weniger und qualifizierte Arbeitskräfte müssen jetzt schon mit der Lupe gesucht werden. Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

„Employer branding“ heißt das Zauberwort, mit dem viele Arbeitgeber versuchen, sich so attraktiv wie möglich darzustellen, um im Kampf um die Talente Erfolg zu haben. Fand dieses Schaulaufen in der Vergangenheit zumeist in den Stellenanzeigen statt, so werden nun alle Kanäle benutzt, um potentielle Arbeitssuchende zu erreichen. Zum Beispiel bei der Bahn:

 

Na, da bekommt man doch direkt Lust, am nächsten Schaffner-Lehrgang teilzunehmen….

Die Positionierung im Social Media – Bereich baut den direkten Kontakt zu den gewünschten Zielgruppen auf. Das kann mal ganz gut gehen…

 

… und manchmal nicht:

 

Immerhin: Unfreiwillige Komik bringt hohe Klickzahlen, die „Movie Stars“ geniessen schon fast so etwas wie Kultstatus.

Wenn ich mir noch einmal einen Arbeitsplatz suchen müsste, dann würde ich zu einem Unternehmen gehen, dass sich selbst auf die Schippe nimmt, denn auch dies hier ist durchaus als „Employer Branding“ zu verstehen:

 

Digitales Biedermeier

Die Zukunft ist nicht aufzuhalten – und doch kommt alles ganz anders. Trotz Facebook treffen wir uns noch mit unseren Freunden „live“, trotz Internet-Shopping gehen wir noch in Geschäfte und suchen das Einkaufserlebnis, trotz E-Book-Reader wird das geschriebene Wort nicht aussterben. Kindle-Besitzer, so Amazon-Deutschland-Chef Kleber, kaufen dreimal so viele Bücher wie vorher (nur lesen sie sie auch? Man weiß es nicht…). Der digitale Wandel erfolgt, wie Markus Brauck kürzlich im Spiegel schrieb, nicht exklusiv, sondern additiv.

Denn gerade wenn es mit großen Schritten in neue Zeiten geht, wendet der Mensch den Blick gerne zurück und sehnt sich nach dem Guten, dem Alten, dem Wahren. So verwundert es nicht, dass Amazon trotz aller MP3-Download-Möglichkeiten noch ca. 1,2 Mio. Vinyl-Schallplatten im Angebot hat und auch der anhaltende Geschäftserfolg von „Manufactum“ belegt diese Suche nach Halt in den Werten der Vergangenheit.

Das führt zu interessanten Mischformen und neuen Geschäftsmodellen: Einkaufen ist unpersönlich geworden, wenn man nur noch vor seinem Tablet sitzt? „Emmas Enkel“ schaffen Abhilfe:

 

Vorwärts in die Vergangenheit statt zurück in die Zukunft! Der Nutzen ist klar: Zeitgewinn und Bequemlichkeit, doch die Verpackung, das Design des Geschäftes, transportiert die eigentlichen Werte. In der Selbstdarstellung der Enkel kommt die Gemütlichkeit nicht so rüber:

 

Willkommen im Biedermeier 2.0. Ab ins Idyll und ins Private, die Lounge als Rückzugsort ins heimelige Glück. Nur der doofe Hipster müht sich noch damit ab, sich ständig als Selbstdarsteller zu repräsentieren, der Rest bevorzugt die Geselligkeit im kleinen Rahmen. Die digitale Welt macht’s möglich. Wohnzimmer statt Globalisierung. Unentschlossenheit heißt, sich zwischen den Stühlen einzurichten. Lauwarm ist das neue Lebensmotto. Wie dichtete Ludwig Pfau schon 1847:

Schau, dort spaziert Herr Biedermeier
und seine Frau, den Sohn am Arm;
sein Tritt ist sachte wie auf Eier,
sein Wahlspruch: Weder kalt noch warm.

(Quelle: Wikipedia)

Was heißt das nun für’s Marketing? Mehr Retro in der Gestaltung, quasi neuen Wein in alten Schläuchen. Die Sehnsucht nach der Vergangenheit nicht zu ignorieren und sich nicht zu modern zu inszenieren.

Manche Dinge gehen trotzdem unwiderruflich verloren. Der Katalog zum Beispiel. Da muss man dann einfach nur neue Verwendungsmöglichkeiten finden….

 

Flugsicherheit gilt auch für Hobbits

Wie Kult & moderne Mythen (Zombies, Darth Vader, Pulp Fiction, MacGyver usw.) im Marketing eingesetzt und genutzt werden, hat mich in letzter Zeit schon häufiger beschäftigt – und kann hier weiter unten im Blog nachgelesen werden.

Aktuell gibt es ein sehr schönes Beispiel, wie ein kleiner Clip hohe Aufmerksamkeit schafft. Air New Zealand hat sich nämlich überlegt, wie man die gelangweilten Fluggäste dazu bekommt, sich diese schnöden Sicherheitsvideos anzusehen:

 

Es werden gleich mehrere Elfen mit einer Klappe geschlagen: Die Passagiere schauen hin, das Video verbreitet sich rasend schnell viral (über 6 Millionen Clicks bislang) und wirbt so für Air New Zealand und zu guter Letzt ist da noch die zusätzliche Werbewirkung für die kommende Film-Premiere „Der Hobbit“:

 

Und wieder hat sich der Einsatz von Mythen gelohnt: Der hohe Bekanntheitsgrad der Figuren sichert den schnellen Erfolg. Und witzig sind die Sicherheitshinweise allemal…

Der Zocker ist der wahre Held!

Werbung für Computerspiele sieht ja – mit ganz wenigen Ausnahmen – seit Jahren gleich aus: Ein Feuerwerk an Programmierkunst, das uns effektvoll die Geschichte des Spiels schmackhaft machen soll. Zum Beispiel so:

Nur: Spielen wie den Helden? Oder ist der Spieler der Held? Diese tiefschürfende Frage hat zumindest der Spot von Sony aufgeworfen:

Es sind nämlich nicht mehr die hyperpotenten Figuren, sondern der bleiche Zocker, der der eigentliche Star ist…

Wenn man das mal weiterdenkt, dann wird der Konsument konsequenterweise zum Alltagshelden: Nicht Bond ist der Star, sondern ich, weil ich ins Kino gehe. Nicht Rainer Calmund ist toll, sondern ich, wenn ich diese obskure Suchmaschine tatsächlich nutze (Helden müssen ja auch mal ein Risiko eingehen…). Und jeder Gang in den Supermarkt wird zum Abenteuer meines Lebens und zu einer mystischen Heldenfahrt! Liebe Supermärkte, da wären doch zumindest ein bißchen Trockeneisnebel und ein martialischer Soundtrack statt Fahrstuhl-Muzak angemessen, oder?

Der wahre Superheld ist also der, der den Verlockungen der Werbung erliegt – eine ganz neue Herausforderungen für die Marketing-Abteilungen! 🙂