Gut, böse, Groupon?

Anläßlich meines Interviews bei „2aufeins“ in „radioeins„, das hier auf dem talketing-Blog nachgehört werden kann, habe ich mich ein wenig mit Groupon beschäftigt.

So richtig toll findet es ja kaum noch einer: Viele Anbieter beklagen sich, dass ihre Limitierungen nicht eingehalten wurden und so wesentlich mehr Gutscheine als gewollt unter die Leute gebracht wurden, und viele Gutscheinerwerber ärgern sich über schlechte Produkte, Lockangebote oder stark eingeschränkte Verfügbarkeiten.

Grundsätzlich ist die Idee hinter Groupon (Mix aus „group“ und „coupon“) ja keine schlechte: Hersteller können immer mit kleinen Warenproben dem potentiellen Kunden etwas zum Ausprobieren geben, aber Dienstleister haben es da schwerer – nur mal einen Pickel ausdrücken oder nur 2 Minuten Massieren machen sich irgendwie schlecht…

Mit Coupons habe ich die Möglichkeit, u.a. Kennenlernangebote weit zu streuen – und nichts anderes bietet Groupon an: Sie haben auf allen sozialen Plattformen Fans und Followers geworben, die nun jeden Tag ein Feuerwerk an Angeboten geliefert bekommen.

Um erfolgreich als Anbieter bei Groupon teilnehmen zu können, sollte man jedoch einige Besonderheiten berücksichtigen:

1.) Man sollte rechnen können. Viele Anbieter haben sich an den Rand der Pleite gebracht, weil sie ihre Specials unter ihrer eigenen Kostengrenze unter’s Volk gestreut haben – und das kann nicht gut gehen. Groupon möchte – um attraktiv zu bleiben – Preisnachlässe von mindestens 50% rausgeben, und erhält dann noch einmal 25% Provision. Für das eigene Unternehmen bleiben also nur noch 25% übrig: Wenn mein Frühstück normalerweise 10,- Euro kostet, dann sollte ich es auf Groupon für 5,- Euro anbieten und bekomme letztendlich nur 2,50 Euro. Wenn mir für das Frühstück aber 4,50 Euro Kosten entstehen, dann….

Als Anbieter sollte ich also nur das bei Groupon bewerben, was hoch kalkuliert wurde.

2.) Auf die Limitierung achten. Hauptkritikpunkt an Groupon sind die Verkäufer, die noch nach guter alter Hardselling-Methode aus dem letzten Jahrhundert verkaufen um des Verkaufens willen. Also nicht den Versprechungen der Provisionshengste Glauben schenken, sondern auf das achten, was im Auftrag geschrieben steht!

3.) Schnäppchenjäger sind keine loyalen Kunden – und werden es auch meistens nicht. Schnäppchenjäger jagen Schnäppchen und sind heute hier bei mir und morgen schon beim nächsten Anbieter. Das Kalkül, dass der mich ja kennenlernt und dann als vollzahlender Kunde wiederkommt, geht selten auf. Ebenso wenig wie die Hoffnung, dass er eine Grundleistung quasi geschenkt bekommt und dann die teuren Pflegeprodukte oder andere Leistungen erwirbt. Macht der nicht. Jagt nämlich nur Schnäppchen.

4.) Wenn ich Groupon nun dazu einsetze, um möglichst viele Menschen in einen Erstkontakt zu mir zu bringen, dann sollte ich aber auch in der Lage sein, mit diesen dauerhaft weiter zu kommunizieren. Also Adressen, Emails usw. sammeln und via Newsletter, Direct Mailings Kontakt halten und weitere Angebote machen. Nur welcher kleine Dienstleister hat die zeitlichen oder finanziellen Möglichkeiten, dieses back end ernsthaft zubetreiben?

Der Frust bei den Anbietern führt nun dazu, dass dieser an den Kunden ausgelassen wird: Die Produkte enthalten nicht mehr das, was ursprünglich einmal Bestandteil des Angebotes war, oder werden so limitiert, dass Termine nur noch weit weit in der Zukunft gebucht werden können.

Das System Groupon wackelt also. So wundert es nicht, dass bei dem börsennotierten Unternehmen eine sehr fantasievolle Buchhaltung, die versucht hat, diese Mängel zu überdecken, zu starken Aktienkurseinbrüchen führte.

Dennoch: Rabattportale wird es immer geben und sie werden sich auch immer großer Beliebtheit erfreuen – denn sparen wollen wir doch alle. Sie werden nur wandern, vom Internet auf’s Smartphone – wo Groupon natürlich schon auf die anderen Anbieter wartet:

Ein Gedanke zu „Gut, böse, Groupon?

  1. Pingback: makketing spricht…. über Groupon | talketing

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