Wie die Schokolade in die Tafel kam

Die Herren von „2aufeins“ bei „radioeins“ luden mich wieder einmal ins Studio, diesmal um zu klären, wie die Schokolade in die Tafel kam und was das Ganze mit Marketing zu tun hat (kann hier nachgehört werden).

Wie viele Gewürze aus der „Neuen Welt“ war auch Kakao kostbar, teuer und daher dem Adel und dem Klerus vorbehalten. Die Kakaobohnen wurden per Hand steingemahlen und mit allerlei weiteren Aromen versetzt, denn eigentlich schmeckte sie eher bitter ( dieser Bittergeschmack machte sie zur idealen Grundlage diverser Giftmorde). Sie hatte ohnehin wenig mit dem gemein, was wir heute unter Kakao verstehen – sie war dickflüssig, schaumig, schwer, so wie man sie heute noch manchmal in Spanien bekommen kann.

Interessanterweise war Kakao eher „katholisch“, wohingegen das strebsame protestantische Bürgertum eher Tee und Kaffee tranken, die munter und aktiv machten und nicht träge und müde wie die Schokolade.

Zwei Entwicklungen brachten das durcheinander: zum einen die Französische Revolution und zum anderen die Industrialisierung. Die Privilegien des Adels wurden nun auch dem Volk zugänglich und gleichzeitig wurde handwerkliche Produktion automatisiert und die Produkte konnten somit in größeren Stückzahlen billiger unter die Menschen gebracht werden.

Diese Entwicklung fand besonders in den protestantisch geprägten Ländern statt: in Holland, England, der Schweiz und in den USA. 1828 erfand der Holländer van Houten ein Verfahren, die Kakaobutter leichter von der restlichen Masse zu trennen, woraufhin der Fettgehalt sank und Kakao leichter in Pulverform gebracht werden konnte. Das „Dutching“-Verfahren (Zufügen von alkalischen Salzen) machte die Schokolade zudem dunkler und milder.

Der Engländer Joseph Stons Fry entwickelte auf der Basis dieses Pulvers dann 1849 die erste Tafelschokolade und wurde als Schokoladen-Hersteller schnell Marktführer, was jedoch auch mit seinen Exklusiv-Vertrag als Kakaolieferant der Royal Navy zu tun hatte, die ihren Seeleute damit das Grog-Trinken abgewöhnen wollte.

In der Familie Cadbury entstand 1866 ein erster ernst zu nehmender Konkurrent auf der Insel – bis heute einer der großen Schokokonzerne.

In der Schweiz waren es die Herren Caillier, Suchard, Lindt und Henri Nestlé, der 1879 Milch statt Wasser der Kakaomasse zufügte und so die erste Milchschokolade erfand. Jean Tobler kam 1899 dann auf die Idee, dreieckige Schokolade anzubieten.

In den Vereinigten Staaten war es Milton Hershey, der als einer der ersten die Massenproduktion von Schokolade organisierte, auch indem er eine Vielzahl von Zutaten selbst anbauen ließ, um die gesamte Lieferkette zu optimieren.

Die Schokolade wurde somit immer begehrter, doch der Kakao blieb recht teuer, so dass alles versucht wurde, diesen zu strecken. Beliebte Mittel waren: zerriebene Erbsen, Reis- oder Linsenmehl, Kartoffelstärke, Gummi, Kalbs- oder Hammelfett, sogar Ziegelmehl. Erst mit den Lebensmittelgesetzen wurde dieser Panscherei Einhalt geboten.

Lindt, Tobler, Suchard, Nestlé, Cadbury, van Houten – viele der Gründervater sind als Markenname ihrer Produkte unsterblich geworden wie auch Alfred Ritter mit seiner „Ritter Sport“. Doch wie kam der Sport zur Schokolade?

Clara Ritter, Ehefrau von Alfred, stellte fest, dass auf dem benachbarten Sportplatz die Zuschauer gerne Schokolade naschten. Doch beim Torjubel fiel diese dann gerne aus den Hemd- und Sakkotaschen auf den Boden und zerbrach. Es wurde also die ideale Form entwickelt für eine Schokolade, die in die Taschen passte und nicht herausfallen konnte – quadratisch, praktisch, gut. Einen weiteren Vorteil brachte diese, zunächst „Sport-Schokolade“ genannte Tafel mit sich: Die 100-Gramm-Vorgabe führte dazu, dass die Tafeln deutlich dicker wurden – und Ritter nun ganze Haselnüsse einschmelzen konnte…

Der Genuss von Ritter-Sport macht jedoch leider nicht fitter als der anderer Marken – und so gilt es nach wie vor, dass jedes Stückchen wieder abtrainiert werden möchte…

Ein Gedanke zu „Wie die Schokolade in die Tafel kam

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