Was Käpt’n Iglo mit dem Vogelsauge zu tun hat…

Anlässlich meines heutigen Gesprächs bei „2aufeins“ auf radioeins zum Thema „Fischstäbchen“ (das hier im talketing-Blog nachgehört werden kann), möchte ich mich hier kurz einer Werbeikone widmen, nämlich good old Käpt’n Iglo.

Käpt’n Iglo treibt erst seit 1985 im deutschen Werbefernsehen sein Unwesen, zuvor warb Iglo mit dem Claim „Es gibt keine bessere Art, Fisch zu essen“. Die Figur geht zurück auf Captain Birdseye, der bereits seit 1966 im englischen Fernsehen auftrat. Hier das Original:

Birdseye war auch der Markenname, unter dem seit 1959 fish fingers in Großbritannien verkauft wurden, um zum einen der britischen Fischindustrie zu helfen und zum anderen insbesondere Kindern den Genuss von Fisch schmackhaft zu machen. Der Name kommt von dem Biologen und Fischgroßhändler Clarence Birdseye, der in den 30ern die Vorteile des Schnelleinfrierens entdeckte: Er sah Eskimos beim Angeln zu und stellte dabei fest, dass der Fisch bei -45 Grad sofort gefror, als er aus dem Wasser gezogen wurde. Aufgetaut und zubereitet schmeckte er dann wie frisch gefangen.

Aus Captain Birdseye wurde dann in „Rest-Europa“ Käptn Iglo (Iglo ist dabei die niederländische Schreibweise von Iglu). 22 Jahre lange wurde er von dem englischen Schauspieler John Hever verkörpert:

Die deutsche Synchronstimme stammte von Wolfgang Völz, der zufälligerweise auch dem Käpt’n Blaubär seine Stimme lieh – Schande dem, der Böses denkt….

Ab 1998 wurde der alte Käpt’n Iglo abgeschafft und durch einen jüngeren, dynamischeren Auftritt ersetzt:

Irgendwie war früher alles besser… oder?

Heute kommt Käpt’n Iglo sogar nach Hause (der Marcell D’Avis unter den Tiefkühlanbietern…):

Erfolg haben die Fischstäbchen trotzdem und sie erfreuen sich nach wie vor bei jung und alt: Über 53.000 Tonnen verspeisen die Deutschen jährlich davon. Wie Fischstäbchen hergestellt werden, dass kann hier angeschaut werden:

Wie die Schokolade in die Tafel kam

Die Herren von „2aufeins“ bei „radioeins“ luden mich wieder einmal ins Studio, diesmal um zu klären, wie die Schokolade in die Tafel kam und was das Ganze mit Marketing zu tun hat (kann hier nachgehört werden).

Wie viele Gewürze aus der „Neuen Welt“ war auch Kakao kostbar, teuer und daher dem Adel und dem Klerus vorbehalten. Die Kakaobohnen wurden per Hand steingemahlen und mit allerlei weiteren Aromen versetzt, denn eigentlich schmeckte sie eher bitter ( dieser Bittergeschmack machte sie zur idealen Grundlage diverser Giftmorde). Sie hatte ohnehin wenig mit dem gemein, was wir heute unter Kakao verstehen – sie war dickflüssig, schaumig, schwer, so wie man sie heute noch manchmal in Spanien bekommen kann.

Interessanterweise war Kakao eher „katholisch“, wohingegen das strebsame protestantische Bürgertum eher Tee und Kaffee tranken, die munter und aktiv machten und nicht träge und müde wie die Schokolade.

Zwei Entwicklungen brachten das durcheinander: zum einen die Französische Revolution und zum anderen die Industrialisierung. Die Privilegien des Adels wurden nun auch dem Volk zugänglich und gleichzeitig wurde handwerkliche Produktion automatisiert und die Produkte konnten somit in größeren Stückzahlen billiger unter die Menschen gebracht werden.

Diese Entwicklung fand besonders in den protestantisch geprägten Ländern statt: in Holland, England, der Schweiz und in den USA. 1828 erfand der Holländer van Houten ein Verfahren, die Kakaobutter leichter von der restlichen Masse zu trennen, woraufhin der Fettgehalt sank und Kakao leichter in Pulverform gebracht werden konnte. Das „Dutching“-Verfahren (Zufügen von alkalischen Salzen) machte die Schokolade zudem dunkler und milder.

Der Engländer Joseph Stons Fry entwickelte auf der Basis dieses Pulvers dann 1849 die erste Tafelschokolade und wurde als Schokoladen-Hersteller schnell Marktführer, was jedoch auch mit seinen Exklusiv-Vertrag als Kakaolieferant der Royal Navy zu tun hatte, die ihren Seeleute damit das Grog-Trinken abgewöhnen wollte.

In der Familie Cadbury entstand 1866 ein erster ernst zu nehmender Konkurrent auf der Insel – bis heute einer der großen Schokokonzerne.

In der Schweiz waren es die Herren Caillier, Suchard, Lindt und Henri Nestlé, der 1879 Milch statt Wasser der Kakaomasse zufügte und so die erste Milchschokolade erfand. Jean Tobler kam 1899 dann auf die Idee, dreieckige Schokolade anzubieten.

In den Vereinigten Staaten war es Milton Hershey, der als einer der ersten die Massenproduktion von Schokolade organisierte, auch indem er eine Vielzahl von Zutaten selbst anbauen ließ, um die gesamte Lieferkette zu optimieren.

Die Schokolade wurde somit immer begehrter, doch der Kakao blieb recht teuer, so dass alles versucht wurde, diesen zu strecken. Beliebte Mittel waren: zerriebene Erbsen, Reis- oder Linsenmehl, Kartoffelstärke, Gummi, Kalbs- oder Hammelfett, sogar Ziegelmehl. Erst mit den Lebensmittelgesetzen wurde dieser Panscherei Einhalt geboten.

Lindt, Tobler, Suchard, Nestlé, Cadbury, van Houten – viele der Gründervater sind als Markenname ihrer Produkte unsterblich geworden wie auch Alfred Ritter mit seiner „Ritter Sport“. Doch wie kam der Sport zur Schokolade?

Clara Ritter, Ehefrau von Alfred, stellte fest, dass auf dem benachbarten Sportplatz die Zuschauer gerne Schokolade naschten. Doch beim Torjubel fiel diese dann gerne aus den Hemd- und Sakkotaschen auf den Boden und zerbrach. Es wurde also die ideale Form entwickelt für eine Schokolade, die in die Taschen passte und nicht herausfallen konnte – quadratisch, praktisch, gut. Einen weiteren Vorteil brachte diese, zunächst „Sport-Schokolade“ genannte Tafel mit sich: Die 100-Gramm-Vorgabe führte dazu, dass die Tafeln deutlich dicker wurden – und Ritter nun ganze Haselnüsse einschmelzen konnte…

Der Genuss von Ritter-Sport macht jedoch leider nicht fitter als der anderer Marken – und so gilt es nach wie vor, dass jedes Stückchen wieder abtrainiert werden möchte…