Ab heute: McDonalds macht klüger!

Ich habe mich ausnahmsweise einmal für die positive Sichtweise entschieden, es könnte nämlich genauso gut heißen: „Vorsicht! Lesen gefährdet die Gesundheit!“.

Ab heute gibt es bei McD zum Happy Meal kein Spielzeug, sondern ein Buch. Insgesamt sollen gemeinsam mit der Stiftung Lesen 4 Millionen Bücher an Drei- bis Neunjährige verteilt werden. Hintergrund: Fast 7,5 Millionen Menschen gelten in Deutschland als „funktionale Analphabeten“; sie sind nicht in der Lage, einfache Texte zu verstehen. Viele Jugendlichen mangelt es zudem an Schreib- und Lesekompetenzen.

Natürlich ist das ein ernster Anlass, aber in meinem Kopf passen Fast Food und langes Lesevergnügen irgendwie nicht ganz zusammen. Mit erscheint das eher wie eine unheilige Marketing-Allianz: Die „Stiftung Lesen“ erhält die höchstmögliche Aufmerksamkeit – und McD kann sich als Freund der Kinder (und der Eltern) und als Retter des Buches inszenieren. Letztendlich geht es aber wie immer darum, Burger zu verkaufen.

Und ob die an Plastikspielzeug gewöhnten Racker jetzt in Begeisterungsstürme ausbrechen werden, wenn es auf einmal „ein Buch“ zum Happy Meal gibt, wage ich auch zu bezweifeln.

Kinder das Lesen (und Eltern das Vorlesen) über Fast Food schmackhaft machen zu wollen ist irgendwie wie Rezepte twittern…

Facedeals: Gute Angebote nur noch für die Schönen?

Gesichtserkennung – der heiße Scheiß von morgen – wobei „morgen“ wirklich morgen bzw. ganz doll nah in der Zukunft meint. Denn mit „Facedeals“ können wir endlich mit dem Gesicht bezahlen… naja noch nicht ganz, aber fast. Seht selbst:

So, liebe Leute, dann räumt mal schön eure Bilder bei Facebook auf, denn ich sehe es schon kommen, dass der eine oder andere Laden uns nur noch reinlässt, wenn wir gut genug aussehen – keine Chance für Hackfressen. Oder Glatzen… Oder Hipster mit Schnauzbart…obwohl, das wäre doch mal was!

Selbst wenn das Ganze nur ein Fake sein sollte, was ich nicht wirklich annehme, so zeigt es doch sehr anschaulich auf, wohin die Reise gehen wird: Wir geben genug von uns preis, so dass personalisierte Angebote in Echtzeit schon heute möglich sind – und warum nicht mit unserem Gesicht einchecken?

Jeden, den es jetzt gruselt und der einen Aufschrei kaum zu unterdrücken vermag, dem sei gesagt, dass wir Älteren – wie immer – sowieso keine bedeutende Rolle mehr in den Überlegungen der Marketeers spielen. Es ist die heutige Jugend, die es in Kürze einfach erwarten wird, dass die Geschäfte mit Facedeals ausgestattet sein werden. Menschen wie Annie zum Beispiel:

So wachsen die kleinen Racker heutzutage auf… wer über 40 wäre heute dazu in der Lage, auch nur annähernd so mühelos und selbstsicher die diversen Programme zu bedienen? Meine Sozialisation sah noch so aus, dass wir im Informatik-Unterricht Lochkarten (!!!) hergestellt haben… oder elektronische Würfel… während im Schulkeller die Zuse vor sich hinratterte (P. Wanke forever!)…

Zurück zum Marketing: Die meisten Unternehmen verpennen ja hier in Deutschland noch die wachsende Bedeutung von Location-based-Marketing – wer bei Facedeals jedoch nicht rechtzeitig agiert, läuft Gefahr, die junge Klientel zu verlieren. Nicht wir machen die Märkte, die Märkte machen uns….

Das gibt böses Blut: Copycats kopieren die Mafia!

Hach, ich liebe reißerische Titel… aber hier hat in der Tat die Werbemafia zugeschlagen – und eine gute Idee doppelt versilbert:

Hier ein schöner Spot aus dem fernen, fernen Neuseeland:

 

Und hier ein schöner Spot aus dem fernen, fernen Amerika:

 

Uupsi, haben da zwei Kreative zufälligerweise die gleiche Idee gehabt?? Mitnichten- Neuseeland:

 

Amerika:

 

Wer ist nun der Übeltäter? Die Neuseeländer, denn diese haben 2010 die originalen Spots von 2008 – ähem – als Ideenvorlage genommen…. Gut, die Ideenvorlage wurde halt sehr exakt umgesetzt, quasi 1:1:

 

Das schreit nach einem Mafia-War! Denn in der Tat steckt hier nicht ein- und dieselbe Agentur dahinter, die die Idee 2x verkauft haben könnte, sondern es handelt sich um eine dreiste Kopie – in der irrigen Annahme, dass wir das in Zeiten von Web 2.0 nicht mitbekommen würden…

Copycats machen vor nichts halt – noch nicht einmal vor Werbespots.