Orwell lässt grüßen – your Social Network is watching your fress-attacks!

Essen ist bekanntlich der Sex das Alters – und exzessives Genießen bringt dann leider doch auch unangenehme Folgen mit sich (zum Beispiel bei täglicher Nutzung des Pizza-Ruf-Magneten…). Nun gibt es endlose Abnehmprogramme, um die Strandfigur noch rechtzeitig zum Sommer 2013 zu erreichen – jedoch kämpfen alle mit dem gleichen Problem: Wie können die gefürchteten nächtlichen Fress-Attacken vermieden werden?

Da die Selbstkontrolle nicht funktioniert, müssen eben die Facebook-Freunde dafür herhalten – und das geht dann so:

Na das ist doch mal toll! Und es gibt unendliche Einsatzmöglichkeiten… man prokrastiniert schon wieder und daddelt lieber Farmville? Zack – schon melden sich die lieben Kollegen und ermahnen einen sanft zur Weiterarbeit! Man flirtet am Wochenende fremd? Rrring – die Schwägerin erinnert einen sofort an das Ehe-Gelübde… Und das sind nur die harmlosen Dinge, die mir spontan einfallen… 🙂 Wenn George Orwell selig das noch erlebt hätte…

Knast-Food to go…

Immer nur Pizza bestellen – öde (auch wenn es den legendären Pizza-Ruf-Magneten gibt), Sushi – kommt einem schon aus den Ohren raus… aber wie wäre es denn mal mit 1A-Knastverpflegung?

Oder dann doch lieber selber kochen?

Sex sells? Von wegen…

Begleitend zu meinem Interview (nachzuhören hier) bei „2aufeins“ auf „radioeins“ möchte ich heute hier wieder das Thema ein wenig bebildern.

„Sex sells“? Nun, zumindest gehören Sex und Werbung sehr eng zusammen. Schon früh erkannten die Hersteller, dass mit der richtigen Prise Freizügigkeit zumindest die Aufmerksamkeit der (meist männlichen) Konsumenten gewonnen werden kann – was Ende des 19. Jahrhunderts auch mit mehr Absatz einherging. So verkaufte Pearl Tobacco schon 1871 seine Zigaretten in einer (für damaligen Verhältnisse) sexy Verpackung:

1885 zog W.Duke & Sons nach und fügte seinen Zigaretten-Verpackungen Sammelbilder mit erotischen Fotographien von Starlets bei – was sich durchaus großer Beliebtheit erfreute:

Und diese Anzeige für Seife warb mit dezent homoerotischen Untertönen:

Heute sieht das dann so aus:

Sex in der Werbung ist allgegenwärtig – aber wirkt, verkauft er auch? Nein, sagt die MediaAnalyzer Studie: Nackte Haut zieht zwar unsere Aufmerksamkeit auf das Plakat oder die Anzeige, aber dort bleibt sie dann auch. Der Absender wird kaum noch wahrgenommen. Bei dem mit Eye-Tracking durchgeführten Verfahren kam heraus, dass Männer sich zwar das Model ganz genau angucken, aber das Logo des Absenders nicht.

Frauen versuchen, den Blick auf die nackte Haut zu vermeiden. In beiden Fällen ist also nichts gewonnen – außer Aufmerksamkeit. Aber ob das reicht? Manche Dinge möchte man aber auch wirklich nicht sehen…

Sex in der Werbung muss dabei nicht immer mit der großen Nacktkeule kommen, es gibt auch Beispiele, in denen subtiler mit Erotik gespielt wird *räusper*:

Oder wie bei der legendären Calvin Klein-Kampagne, bei der uns die damals 15jährige Brooke Shields mitteilte, dass nichts zwischen ihr und ihrer CK-Jeans passe…

Heutzutage sind wir medial jedoch total oversexed. Nackte Haut? *gähn* Oben ohne? *alterhut* Alles wurde schon gezeigt, alles wurde schon gesehen – kein Wunder, dass auch die Werbung „härter“ wurde und mit „porn chic“ (wie man auch das lustig machen kann, ist hier nachzulesen) nachlegte:

Nun ja… für manche Branchen (Mode, Beauty usw) ist es nach wie vor wichtig, uns mit diesen Bildern klarzumachen, dass wir sexy und begehrenswert werden – aber ausschließlich mit ihren Produkten natürlich.

Sex wirkt jedoch am allerbesten, wenn er Spaß macht (ist ja wie im richtigen Leben) und daher sind Kampagnen, die Sex augenzwinkernd einsetzen, wesentlich erfolgreicher:

Oder was meint ihr?

Mehr sexy, lustige und ungewöhnliche Spots gibt es übrigens täglich auf Facebook in der „makketing“-Gruppe!

The World’s Most Downloaded Man

Zum Marketing der alten Schule gehört auch, dass Kampagnen global funktionieren müssen. Und entweder werden sie dann so durchgenormt, dass sie wirklich jeden und alles ansprechen (und schlussendlich nichts und niemanden) – oder man bedient sich einfach bereits vorhandener Kampagnen. Kostet ja auch viel weniger, als selber kreativ zu werden.

Beispiel gefällig? Kommt euch das bekannt vor?

Richtig, bei uns wurde damit für ein Mineralwasser geworben:

Wir sehen also immer häufiger die gleichen Spots und – viel schlimmer noch – die immer gleichen Gesichter in der Werbung.

In der Diskussion um Urheberrecht und Kosten wird eben leider gerne vergessen, dass wir Kreativität verlieren, wenn wir nicht mehr bereit sein werden, dafür zu bezahlen – oder immer nur so wenig wie möglich bezahlen wollen. Gerade auch im Marketing.

Nicht „Video killed the Radiostar“, sondern „Stockimages killed the Photographer“ – zeigt zumindest folgendes schöne Video:

Wenn wir einzigartige Produkte vermarkten wollen, dann müssen wir eigene kreative Wege gehen. „Copy & paste“ ist auch in der Werbung der schlechteste Ansatz…