quergelesen 6

Das Wochenende bringt 28 Grad und Sonnenschein – und wer sich jetzt überfüllte Biergärten und Grillschwaden von Balkonen ersparen möchte, verbarrikadiert sich zuhause und hat nun endlich mal die Zeit, sich die Beiträge aus den Schwesternblogs talketing.de und greenmakketing.de anzuschauen…

Bei talketing kann man zum einen die ganzen Radio-Interviews der letzten Wochen nachhören (über Ambient Marketing, Ü-Eier und Carglass), zum anderen überrascht der Blog mit Porno-Chic, erklärt Virales viral und zeigt die umwerfende Wirkung von Mundgeruch. Wie lange hält wahre Liebe? Solange wie Kaugummi… Und natürlich geht es auch wieder um Star Wars!

Grün, high und Spaß dabei“ heißt es hingegen bei greenmakketing: Zum Beispiel mit der „Fake Shower“-App oder der Frage, was Ego von Eco unterscheidet. Es gibt mehr Infos zum IHK-Zertifikatslehrgang „Management für nachhaltige Unternehmensführung“ und abschließend frage ich mich, ob Greentelligence wirklich intelligent grün ist.

Viel Spaß beim Nachlesen!

Wer immer schon mal auf Fred werben wollte…

Das Schöne an dem ganzen Social Media Gedöns ist ja, dass auch dumme Ideen immer wieder neu aufgekocht werden können. Schon 2005 verkaufte Keri Smith ihre Stirn als Werbefläche und ließ sich damals dann den Schriftzug des Meistbietenden tätowieren:

… für sage und schreibe 10.000 Dollar.

Wer jetzt denkt: „Das ist mal eine tolle Idee, ich will auch jemanden mit meiner Werbung tätowieren!“, dem kann geholfen werden, den Fred versteigert seinen Arm (wie langweilig – im Vergleich zu einer Stirn…) – seht selbst:

Nun ja wir sind 2012, da ist es dann nur noch ein QR-Code, aber besser als gar nichts… 🙂

Apropos Social Media: Es hält sich ja hartnäckig das Gerücht, dass wir (Blogger, Facebooker, Twitterer…) vollkommen vereinsamen und nur noch vor’m Schirm hängen und uns die Finger wund tippen. Social Media addiction hurts…. Doch auch da naht endlich Hilfe:

In diesem Sinne: Raus in die Sonne!

Weißkittel ade – traut nur den „mad scientists“!

Es gab einmal eine Zeit, da vermittelte der weiße Kittel und der Doktortitel Kompetenz und Weisheit – ganz gleich ob es sich dabei um Doktor Best, den Wissenschaftler aus der Alpecin-Küche oder die Zahnarztfrau handelte: Der nette Naturwissenschaftler von nebenan war eine unumschränkt vertrauenswürdige Person.

Dabei ist die Werbung mit Weißkitteln so alt wie die Werbung selbst…

… und macht das Produkt auch per se nicht besser.

Doch spätestens seit all den Krankenhaus-Serien wissen wir, dass auch Wissenschaftler fehlbar sind, sich manchmal irren – oder gar dem schnöden Mammon erliegen können:

Und so sehen wir heute nun den Siegeszug der „mad scientists“in der Werbung: Wenn schon Wahnsinn, dann richtig.

Das haben auch die Autohersteller für sich entdeckt:

Und – jaa, man glaubt es kaum – selbst die Schweizer:

(Die glauben ja wieder, sie wären besonders clever, in dem sie den Spot als „Aprilscherz“ deklarieren…)

Ganz neu ist das Topic natürlich nicht, die Film- und Werbegeschichte ist natürlich voll mit verrückten Professoren (z.B. Jerry Lewis), irren Wissenschaftlern und durchgeknallten Ärzten:

Aber in letzter Zeit sehen wir sie wieder häufiger und stets in komischen Situationen, denn es reicht ja schon, dass uns die echten Wissenschaftler, die in Laboren unsere Lebensmittel zusammenmischen oder versuchen, die Atomkraft zu beherrschen, genügend Angst machen.

Wissenschaft ist eben „trial & error“ – und oftmals eher letzteres:

Besonders gefällt mir übrigens an den Hahn-Spots die Entdeckung der Langsamkeit. Statt hektisch 30 Sekunden zu füllen, kann man sich auch mal fast 2 min Zeit nehmen…. denn schon darin liegt die Komik.

Fazit: Wenn schon Wissenschaftler, dann lieber offensichtlich gaga, denn da wissen wir wenigstens, woran wir sind.

Werbung muss nicht gefallen, Hauptsache, sie wirkt…

„Carglass repariert, Carglass tauscht aus“ – das nervt uns doch alle gewaltig. Am heutigen Sonntag bin ich zu diesem Thema wieder bei den Jungs von „2aufeins“ bei „radioeins“ eingeladen (hier kann das Interview nachgehört werden) – und wie üblich gibt es hier noch ein wenig mehr zum Thema.

Geschätzt rund 60 Mio € investiert Carglass jährlich in Werbung, wobei die Funkwerbung sogar zu einem besseren Erinnerungswert beiträgt als die Fernsehwerbung. Carglass erreicht damit den sehr guten 5. Platz in der Wahrnehmung von Marken, gleich hinter VW, Zalando, Media Markt und Vodafone, wie die Marketingzeitschrift „absatzwirtschaft“ regelmäßig herausfindet. Das heißt, die massive Beschallung unserer schutzlosen Gehirnwindungen führt dazu, dass wir Carglass gut wahrnehmen – und auch gut erinnern, wenn es darauf ankommt.

Werbebotschaften werden nämlich in den Tiefen unseres Gehirns gesammelt – und diese Sammelstelle sammelt eben nur und wertet nicht. Wenn wir also auf einmal einen Steinschlag in der Windschutzscheibe haben, dann poppt aus den Untiefen unserer Erinnerung das hoch, von dem wir den dicksten Haufen angesammelt haben, ganz egal, ob uns die Werbung genervt hat oder nicht. Dieses Prinzip macht sich nicht nur Carglass zu nutze, sondern auch viele andere (s.o.).

Natürlich macht sich Carglass dabei unsere Angst zunutze, dass aus einem kleinen Steinschlag ein großer Riss werden könnte, was so nicht stimmt.

Auch wird dort mit schicken Fachbegriffen wie dem H2x58-Harz gearbeitet sowie mit „patentierten“  Werkzeugen – „patentiert“ klingt gut, bedeutet aber nicht, dass es sich dabei automatisch um Qualität handeln muss. Und auch die „Erstausrüsterqualität“ der Scheiben klingt toll, aber es sind keine Originalscheiben, werden jedoch zu diesem Preis verkauft. Die Gewinnspanne, die hier erzielt wird, dürfte den hohen Werbeaufwand mitfinanzieren. Und auch „30 Jahre Garantie“ ist Werbe-Augenwischerei: Wer fährt schon 30 Jahre lang mit seinem Auto, zumal die Garantie auf de Haltbarkeit der Reparatur gegeben wird, nicht die der Scheibe…

Es herrscht hier also nicht nur ein hoher Wettbewerb, sondern es winkt auch ein guter Verdienst – obwohl die Versicherungen, die es lange Zeit gut fanden, dass der Autofahrer die Scheibe reparieren ließ statt sie gleich auszuwechseln, mittlerweile aufgrund der sehr hohen Zunahme von zum Teil unnötigen Reparaturen nicht mehr ganz so entspannt sind.

Werbung ist das eine, die Umsetzung der Dienstleistung das andere: Hier ist Carglass 2011 zum 2. Mal in Folge als „Deutschlands kundenorientiertester Dienstleister“ ausgezeichnet worden. Und aus eigener Erfahrung kann ich nur bestätigen, dass der Service dort sehr gut ist. Aber die Werbung nervt trotzdem…

Beste Erfindung von Welt: Der Pizza-Ruf-Magnet

Die EM steht vor Tür und es wird doch so sein wie immer: Der Kühlschrank ist so leer wie der Magen, die Telefonnummer des Lieferdienstes ist dauerbesetzt – und man will auch keine Sekunde vom Spiel verpassen. Wäre es da nicht toll, wenn man einfach nur einen Knopf an seinem Kühlschrank drücken müsste – und die Lieblingspizza wäre schon auf dem Weg?

So in etwa:

Wer nun denkt, das wäre ja nur Werbung, der liegt falsch. Das ist nämlich Marketing. Der Magnet funktioniert wirklich – und ist damit ein (vorerst) unschlagbarer USP.

Liebe Lieblingsrestaurants: Unser Kühlschrank ist seeehr groß, da hätten viele viele Magneten Platz…

Das Happy Hipperium schlägt zurück

Ostersonntag, 2aufeins @ radioeins, Thema „Ei“ – und auch ich konnte aus makketing-Sicht etwas dazu beitragen, denn das Ü-Ei zählt zu den 43 internationalen Marken, die mehr als 1 Milliarde € Umsatz machen – jährlich (Nachzuhören ist das Interview hier).

Angefangen hat es, als Michele Ferrero 1974 auf die Idee kam, Spielzeug in kleine Schokoeier zu verpacken… ursprünglich nur zu Ostern geplant, gab es die Überraschungseier dann bald schon das ganze Jahr über – seit 2006 auch in der Sommer-Variante „Joy“ (Ferrero ist heute übrigens der reichste Mann Italiens mit einem geschätzten Vermögen von 19 Milliarden Euro)

Zum großen Erfolg der Eier trugen die Schlümpfe bei, die als erste Sammelserie auf den Markt kamen, gefolgt von vielen Disney-Figuren. Gerade diese Lizenz-Produkte sprachen das Sammel-Gen nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei den Erwachsenen an, so dass 1991 der erste Katalog mit allen Figuren und den entsprechenden Sammlerpreisen erschien.

Teuerstes Sammelobjekt ist im Moment der Nachtwächterschlumpf, der für ungefähr 12.000 € gehandelt wird.

Die Figuren der ersten Serien waren in der Tat alle handbemalt – und  Fehler in der Bemalung oder aber auch die Verwendung von blauen Rohlingen und weißer Bemalung machen den Seltenheitswert aus. Solche Summen rufen selbstverständlich auch Fälscher auf’s Parkett – also: Augen auf beim Schlumpfkauf!

Lizenzen kosten Geld, daher ging Ferrero in den 90ern dazu über, seine eigenen Figuren zu erschaffen: Happy Hippos, Crazy Crocos, Drolly Dinos und so weiter – ganz verzichtet haben sie jedoch nie auf die Lizenzprodukte. Sehr zum Ärger vieler Sammler, die nicht jede Lizenz gut finden – viel Unmut gab es zum Beispiel bei der Spongebob-Edition, die viele der Kollektoren zu kindisch fanden (?!).

Überraschungseier gibt es in über 60 Ländern – nur in den Vereinigten Staaten nicht, denn dort hat die FDA ein Verbot erwirkt, da die Kombination von Spielzeug und Schokolade als für Kinder gefährlich eingestuft wurde. Der Import ist verboten – und sollten Touristen beim „Einschmuggeln“ erwischt werden, so werden 300 $ Strafe fällig. Dennoch gibt es Ü-Eier auch in den USA – Ebay sei Dank! Allerdings kostet der Spaß dann auch schnell stolze 3 – 4 $ pro Ei…

Abschließend noch ein Lizenz-/Eigenprodukt-Mix aus dem Jahre 2002, da schlug nämlich das Hipperium zurück:

Wie Werbung in unser Leben dringt…

Kein Aprilscherz, auch heute bin ich wieder auf radioeins zu hören (nachzuhören ist das Interview wie immer hier) und diesmal bereite ich das Thema ausnahmsweise nicht nach, sondern vor. Denn da es um Ambient Media geht, also darum, wie die Werbung immer häufiger versucht, in unser Leben einzudringen, dann kann man zwar viel darüber reden, aber so wenig sehen (zumindest im Radio). Parallel zum Hören gibt es hier nun also was auf die Augen.

Wir haben heutzutage gute Antikörper gegen nervige Werbung entwickelt – im Fernsehen zappen wir weg, wenn der Werbeblock kommt, im Radio hören wir nicht hin, in der Zeitung überblättern wir die Anzeigen – wir sind hervorragende Werbevermeidungsstrategen.

Die Aufgabe für Unternehmen und Agenturen lautet also: Wie können diese Abwehrkräfte unterlaufen werden? Ganz einfach: Indem man die Zielpersonen dort bewirbt, wo sie es gar nicht erwarten – und dementsprechend auch große Aufmerksamkeit bekommt. Zum Beispiel auf der Herrentoilette, direkt am Pinkelbecken. Nach links und rechts gucken macht sich ja selten so richtig gut, also geht unser Blick geradeaus – und trifft auf kleine Werbeplakate (bevorzugt für Harndrangpräparate…). Bei Damen gibt es das Pendant dazu dann an den Innenseiten der Kabinentüren, schön auf Sitzhöhe…

Auf Toiletten lässt sich aber auch kreativer werben:

Bleiben wir beim Stillen Örtchen, denn dort finden wir eine weitere Form der Werbemöglichkeit: Papierhandtücher:

Ob das wirkt?

Vom Menschen zum Tier, denn mit Ambient Media erreiche ich auch meine avisierte Zielgruppe viel genauer. Wer braucht schon Hundekotbeutel – außer Hundebesitzer? Wenn ich diese nun erreichen möchte, dann drucke ich meine Botschaft einfach direkt auf die Beutel – wie „Happy Dog„:

„Alles im Lot mit weniger Kot“ – dafür hat der Texter einen Preis verdient….

Ambient macht vor nichts halt. Die klassische Kotztüte wurde früher im besten Falle vom Logo der Fluggesellschaft geziert, heute sehen die so aus:

German Wings nutzt dieses Medium aber auch, um den Wettbewerbern eins auszuwischen:

Ambient Marketing dringt in unser tägliches Leben ein und überrascht uns – wie beispielsweise diese schöne Idee aus der Stadt des Regens: Rainvertising in Hamburg…

Durch die virale Verteilung via YouTube erreicht diese eigentlich lokal begrenzte Werbeform natürlich noch mehr Aufmerksamkeit…

Zu guter Letzt gilt auch die normale Tragetüte als ambient, denn oftmals tragen wir mehr als nur das Logo spazieren – beim Seifenmacher „Lush“ sind es die Glaubenssätze, die wir zur Schau tragen:

Doch auch Tüten können noch mehr Aufmerksamkeit erregen – wenn sie lächeln wie die Joupi-Bag:

Ambient Marketing findet also häufig im öffentlichen Raum statt, oftmals auch unter Einbeziehung der unmittelbaren Umgebung, wie die folgenden Beispiele zeigen:

Noch mehr zum Thema Ambient, virales und Guerilla-Marketing kann man übrigens im talketing-Blog finden – viel Spaß dabei!