Media Markt will Werbegeschichte schreiben – und aufwecken

Da sitzt man nichtsahnend vor dem Fernseher, freut sich auf den nächsten Werbeblock (ich schau natürlich berufsmäßig nur wegen der Werbung fern…) – da rauscht ein über 2minütiger Spot an mir vorbei und und lässt mich augenreibend auf dem Sofa zurück… Was war das? LSD im Fernsehen?

 

Nein, der neue Spot vom Media Markt! Mario Barth wurde von einen guten Fee anscheinend in ein kleines Schweinchen verwandelt, aber das ist nur der Anfang des Irrsinns…  Selbst nach dem 3. Anschauen fühlt sich mein Gehirn noch an als wäre gerade ein Zug durchgerattert.

Aufklärung brachte mir die Sonntagszeitungs meines Vertrauens, die „FAS“. Dort wurde ein Interview mit dem Media-Saturn-Chef Horst Norberg veröffentlicht, in voller Länge nachzulesen hier.

Kernstück: Media Markt will Schluss machen mit dem (eigenen) Preisirrsinn und dauerhaft Tiefstpreise anbieten:

„Ja, wir stoppen die überzogenen Preisaktionen. Wann immer Sie in einen Media Markt kommen, Sie können sicher sein, Sie erhalten einen hoch attraktiven Preis. Das ist nicht nur Werbung, sondern ist Teil unserer Multikanalstrategie. Wir werden zukünftig das Online- und das stationäre Geschäft eng miteinander verknüpfen.“

Das ist auch zwingend notwendig, denn wenn das eigene Online-Geschäft starten wird (bei Saturn schon im Oktober, bei Media Markt erst im kommenden Jahr), dann darf der eigene Internetshop eben nicht dem eigenen stationären Handel preislich torpedieren.

Doch im Spot wird deutlich, gegen wen noch gezielt wird: Preisvergleichsportale, Käuferbewertungen und andere „unseriöse“ Online-Händler:

„Mag sein, dass manche Kunden unsere Botschaften mit den Aktionspreisen falsch interpretiert haben, wenn sie reguläre Ware andernorts günstiger gesehen haben. Tatsache aber ist: Media Markt hat in der Branche den Preis gesetzt, daran haben sich die anderen orientiert, vielleicht auch mal unterboten – ohne dass klar war, was an Nebenkosten, Kreditkartengebühren, Liefergebühren obendrauf kommt. Gerade das Internet suggeriert Transparenz und hält das Leistungsversprechen oft nicht ein. Dagegen stellen wir jetzt unser Konzept: klare Preise, klare Ansage.“

Dennoch beteuert Norberg, dass sich die Kampagne gegen niemanden direkt richtet:

„Wir persiflieren nur den täglichen Irrsinn an der Preisfront, die Mac-Cheapies, die Super-Duper-Flatrates.“

Nun ja, es liest sich schon komisch, wenn einer der stärksten Akteure im aggressiven Preis-Marketing auf einmal die Wendung vom Saulus zum Paulus hinlegt – und gleich wieder großes Sendungsbewusstsein ausstrahlt:

„Die Kampagne wird Werbegeschichte schreiben, vor allem aber: Sie wird den Handel insgesamt verändern, sie ist ein Weckruf, den Preisirrsinn auch in anderen Bereichen des Handels – Möbel, Baumärkte, etliches mehr – zu stoppen: Wer hat da noch den Überblick, was ist der reale Preis?“

Notgedrungen legt der Media Markt hier eine Vollbremsung hin. Fraglich ist nur, ob der Konsument, der jahrelang an die Angebotswerbung gewöhnt wurde, diese Vollbremsung auch mitgehen wird. Oder ob sich letztendlich alles nur als schlechter Traum entpuppen wird – also als einfache Werbung….

Ein Gedanke zu „Media Markt will Werbegeschichte schreiben – und aufwecken

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