radioeins – und in Zukunft?

Die Diskussionen über den Format-Facelift von radioeins wurde  auch gestern off- wie online heftig weitergeführt – mein Blogeintrag wurde  von 250 Menschen gelesen, was dann doch ein wenig mehr ist als sonst (danke an dieser Stelle an alle, die ihn weiterverbreitet haben!).

Der Frust ist immer noch hoch und ich möchte heute hier einfach ein paar der Gedanken, die in den Diskussionen auftauchten, allen Interessierten zugänglich machen.

Neben der Willkür und dem Umstand, dass diejenigen mit denen ich gesprochen/gemailt habe, nicht nachvollziehen können, warum etwas Gutes, Bewährtes ohne Not verändert wurde, stellt sich bei einigen auch die Frage, was bei radioeins unter Zukunft verstanden wird.

Zukunft heißt anscheinend „Kochen im Radio“, denn freitags sollen die Sterneköche Marco Müller und Stefan Hartmann auftischen (laut „World Wide Wagner„): Nun ist Kochen und Essen im Radio ja noch unsinniger als im Fernsehen, denn alle Sinnlichkeit entfällt – man kann höchstens noch das Schmatzen hören. Im Fernsehen hat sich der Kochtrend mittlerweile überlebt – ist das der Grund, warum man bei radioeins meint, dass dieser nun eine Zukunft im Radio hat?

Auch bei der neuen Show, die den sanft entschlafenen Sonntagnachmittag endlich mal wieder wachrütteln soll, stellt sich die Frage, welche Zielgruppe radioeins in Zukunft ansprechen möchte: Klaas Heufer-Umlauf, einer der beiden Moderatoren, wurde bekannt bei MTV, bevor er dann bei ProSieben mit so spektakulären Formaten wie „Ahnungslos“ und „17 Meter“ glänzte.

Dies sind nur zwei Beispiele, bei denen sich die Hörer fragen, ob sie noch den selben Begriff von Zukunft teilen wie die Programmmacher von radioeins…

Die anhaltende Diskussion zeigt, dass es sich nicht nur um einen „Sturm im Wasserglas“ handelt – und gerade der Umstand, dass die Entscheider sich in seiner öffentlich-rechtlichen Trutzburg verschanzt anstatt vielleicht wenigstens zu signalisieren, dass man den kritischen Stimmen zuhört und die Unzufriedenheit wahrnimmt, verstärkt die Frustration. Denn: Radio sollte für die Hörer gemacht werden, nicht für die Macher.

Dabei zeigt die Geschichte, dass Protest erfolgreich sein kann. So sah sich ProSieben vor Jahren dazu gezwungen, Christian Ulmens „Mein neuer Freund“ wieder in das Programm zu nehmen. Mit welcher Folge? Christian Ulmen hat die 2. Staffel dann eben nicht mehr für ProSieben produziert, sondern sie über seine eigene Website „ulmen.tv“ erfolgreich gesendet.

Für alle Medien gilt, dass die erweiterte Medienauswahl auch dazu führt, dass die Hörer/Leser/Zuschauer/User anspruchsvoller, selbstbewusster und vor allen Dingen autonomer geworden sind. Ich brauche heute keine Redaktion mehr, die sich vormittags zusammensetzt, um zu entscheiden, was ich morgen in der Zeitung lesen soll. Denn ich kann mir die Inhalte, die mich wirklich interessieren, leicht im Netz selbst zusammenstellen (und dennoch gibt es Tageszeitungen, aber die sollten sich auch mal fragen, warum. Wir verbinden nämlich viel mehr mit „unserer“ Zeitung als nur die Meldungen – gilt eben auch für’s Radio!). Ich brauche keine Programmmacher, die mir vorsetzen, wie ihr Radio zu klingen hat, denn ich habe im Internet die Auswahl von unzähligen Stationen weltweit – mit oder ohne Werbung – die genau das spielen, was ich hören will. Und auch das Fernsehen kann mir nicht mehr vorschreiben, wann ich was sehen soll. Gab es früher nur den Videorekorder (heute Festplatte), so kann ich mir nun die Sendungen in der Mediathek online angucken oder für kleines Geld bei iTunes oder Maxdome runterladen – und zwar wann ich will und egal ob ich es auf dem Rechner ansehe, dem Smartphone oder dem Tablet.

Wir sind unabhängiger geworden, aber auch ungeduldiger. Wer uns nicht ernst nimmt und uns nicht zuhört, verspielt unsere Gunst. Und – zurück zum Radiomarkt – wird sind uns auch bewusst, dass wir die Währung ausmachen, dass unser Einschalten die Quote bringt, die die Werbepreise festsetzt. Oder eben unser Wegschalten….

Meiner Meinung nach kann es sich heute niemand mehr leisten, Programm am Hörer vorbei zu machen. Das soll nicht heißen, dass der Hörer das Programm bestimmt (bitte nicht!), sondern eher wie es @medienmagazin gestern auf Twitter formulierte: „Das beste ist vermutlich, Angebote zu machen unter Berücksichtigung der Akzeptanz. Inspirierend + dienend.“

Die Diskussion geht weiter…

2 Gedanken zu „radioeins – und in Zukunft?

  1. Pingback: radioeins – nachgehört | makketing

  2. Lieber Marcus,
    Radio wird nicht für Hörer, sondern für Quote, Werbekunden und MA Zahlen gemacht 🙂 Und wenn die „Reform“ mit hippen Moderatoren weitergeht, dann will sich radioEins verjüngen und die nächsten Youngsters abgreifen – eben die, die in den Marketingstatistiken ach so viel Geld ausgeben, auf Livestyle bedacht sind und scheinbare Multiplikatoren…und es wird genug Stammhörer geben, die bleiben, weils es so im Tuner eingestellt ist 🙂

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