H&M als „Verfechter des Gleichheitsgedankens“ – Design von der Stange

Wieder einmal war ich zu Gast bei „radioeins„, denn „Stange“ war das Thema der „2aufeins„-Sendung – und es ging um die Frage, wieso Star-Designer Kollektionen bei H&M auf die Stange hängen. Nachzuhören ist das Interview wie immer hier im talketing-Blog.

Und der alten Tradition folgend nutze ich den makketing-Blog, um noch ein bißchen mehr Material auszubreiten, denn die Zeit verfliegt im Studio ja immer….

2004 ging es los: Karl Lagerfeld war der erste Mode-Designer, der das Unerhörte tat – er entwarf einige Modestücke für H&M! Diese galten mit ihren heute 2.200 Filialen in 35 Ländern eigentlich eher als „Feind“ der Haute-Couture-Stars, denn schließlich wurden die Ideen ihrer Kollektionen von H&M schnellstens kopiert und landeten dann günstig als neuester Trend in den Laden-Regalen. Lagerfeld adelte das schwedische Modehaus mit seiner Kollektion: „In meinen Augen ist H&M ein Verfechter des Gleichheitsgedankens im positiven Sinne.“ sprach Karl, der Große, und fügte noch hinzu: „Design ist extrem wichtig, aber Design ist nicht nur eine Frage des Preises„. H&M bezeichnete die Kollektion als Geschenk für unsere Kunden. Eine Einladung in eine andere Dimension des Mode-Business at it’s best. (Quelle jeweils: Nachtagenten)

Es wurde also schon im Vorfeld mächtig getrommelt und der Hype nahm mit dem Ankündigungsspot seinen weiteren Lauf:

 

Der Erfolg war – beim ersten Mal zumindest – riesig, auch vom Umsatz her betrachtet – das Plus von 24% wurde allerdings nie wieder mit einem anderen Designer so erreicht. Und auch, wenn Karl Lagerfeld nach der Aktion ein wenig indigniert war (er monierte, dass zu geringe Stückzahlen produziert wurden, so dass nicht alle Kunden einen „Lagerfeld“ erwerben konnten, und verurteilte dies als „Snobismus im Antisnobismus“ (Quelle: SZ) ), so folgten jedes Jahr neue DesignerInnen: 2005 Stella McCartney, 2006 Viktor & Rolf, 2007 Roberto Cavalli, dann Sonia Rykiel, Lanvin, Jimmy Choo und und und…

H&M geht es dabei nicht um den wirtschaftlichen Erfolg, sondern in erster Linie um die Aufmerksamkeit. Denn schon Stella McCartneys Textilien brachten nur noch ein Umsatzplus von 11%, einiges von ihr landete sogar auf den Grabbeltischen. Nein, der Hype ist, was zählte und zählt. Dazu wurde die Anzahl der belieferten Filialen nach und nach verringert: Bekamen noch 800 Filialen die Lagerfeld-Waren, so wurden nur noch 400 mit den McCartney-Teilen beliefert, bei Viktor&Rolf waren es noch 250, bei Roberto Cavalli 200… Begründung: Derartige Kollektionen ließen sich am besten in den Zentren der Metropolen verkaufen – und auch nur dort. Pech für die Landbevölkerung….  (Quelle: stern) Diese künstliche Verknappung sorgte dafür, dass es zu regelrechten „Kampfszenen“ in den Geschäften kam…

Noch 3 Beispiele für den „Wahnsinn“ 🙂

 

H&M zeigt in diesen Spot deutlich, dass es Richtung „Luxus“ geht: kleine Auflage, exklusiv – aber bezahlbar. Zumal es bei H&M und Co keine klassischen Kollektionen mehr gibt, sondern die neue Ware stets nach und nach in die Filialen geliefert wird. Da sind solche „Highlights“ dann ganz recht.

Was haben die Designer davon? Sie können einmal junge Mode im Gegensatz zur Haute Couture entwerfen, erreichen dank H&M eine hohe Aufmerksamkeit in einer großen Zielgruppe – und fixen potentielle zukünftige Kundinnen mit diesen kleinen „Einstiegsdrogen“ an.

H&M sind dabei schon lange nicht mehr die einzigen; auch Desigual lassen sich von Christian Lacroix ihre „Dream“-Kollektion entwerfen und Tchibo punktet mit dem deutschen Design-Star Michael Michalsky, der dort exklusiv seine Linie „Mitch & Co“ verkauft – hat leider nur nicht so gut funktioniert.

Was kommt als nächstes? Versace. Ab Herbst 2011 bei H&M, diesmal auch mit Accessoires wie Kissen und Decken:

 

Denn H&M hat in der Zwischenzeit gelernt, dass sich diejenigen Artikel am besten verkaufen, bei denen auf Anhieb erkannt wird, welcher Designer dahinter steckt: also auffällige Muster oder besondere Schnitte. Versace kommt bunt und mit viel Leder – wir dürfen also gespannt sein!

 

 

Ein Gedanke zu „H&M als „Verfechter des Gleichheitsgedankens“ – Design von der Stange

  1. Pingback: makketing spricht… über Designer bei H&M | talketing

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