Motivation, Motivation, Motivation – HMI hat doch alles richtig gemacht!

Ein schöneres Beispiel für den Unterricht als das berüchtigte HMI-Incentive kann man doch nicht bekommen – denn die HMI hat alles lehrbuchmäßig richtig gemacht:

1. Ein Incentive dient der Motivation.

2. Es schafft Leistungsanreize und belohnt damit die Spitzenkräfte.

3. Man benötigt exklusive Orte und Programm-Bestandteile, die sich der Teilnehmer sonst so nicht leisten kann.

4. Um den nötigen Anreiz zu schaffen, muss ich den“Daheimgebliebenen“ von dem Incentive berichten, um ihre künftige Leistung anzustacheln:

„Das Mitgliedsmagazin der HMI „Profil“ schwärmte später von der Veranstaltung: „Unglaublich, was man in der HMI wirklich erleben kann. Aus welchem Blickwinkel auch immer man diese Mega-Fete betrachtete, ein Mordsspaß war es auf alle Fälle. Jedenfalls haben wir bis zu diesem Zeitpunkt noch niemanden gefunden, der nicht dabei war und sofort wieder loslegen möchte.““

(Quelle: Handelsblatt)

5. Alle Teilnehmer müssen ordentlich den geldwerten Vorteil versteuern.

„Im Budapester Fall wurden die Lasten für den Steuerzahler zumindest dadurch gemindert, dass die rund 100 Teilnehmer 3000 Euro an geldwertem Vorteil versteuern mussten, wobei die Abendveranstaltung in der Gellert-Therme nur einen Teil der Gesamtreisekosten ausmachte.“

(Quelle: Welt)

6. Wenn alles ordentlich durchgeführt wurde, kann man die Kosten als Betriebsausgabe absetzen.

„Der Mutterkonzern Ergo bestätigte der „Welt am Sonntag“, dass die Hamburg-Mannheimer die Kosten in Höhe von 83.000 Euro vollständig steuerlich geltend gemacht und dadurch Gewinn und Steuerlast vermindert hat.

 „Die Rechnung ist in voller Höhe als Betriebsausgabe behandelt worden“, sagte ein Ergo-Sprecher. „Nach unseren bisherigen Prüfungen war das steuerrechtlich in Ordnung. „“

(Quelle: Welt)

Also alles lehrbuchmäßig vorbildlich…. Na nur das mit den Drogen war ein bißchen ärgerlich, aber das kann man ja richtigstellen:

„Die Berichterstattung in der heutigen Ausgabe der BILD-Zeitung, wonach Handelsvertreter der Hamburg-Mannheimer auf sog. Top 5 Reisen Kokain konsumiert hätten, ist unwahr. Die von der BILD-Zeitung veröffentlichten Fotos zeigen ein Trinkspiel mit Salz, Tequila und Zitronensaft. Dazu gehört das Einschnupfen von Salz durch die Nase. Bei den Handlungen der Akteure auf den von der BILD-Zeitung veröffentlichten Fotos handelt es sich nicht um den Konsum von Kokain. Der ERGO liegen dazu inzwischen auch eidesstattliche Versicherungen von auf den Lichtbildern abgebildeten Personen vor .“

(Quelle: ERGO)

Ich frage mich nur: Wie motivieren die eigentlich ihre weiblichen Führungskräfte??

Gibt es noch echtes Leben im falschen?

Gut, wir wissen, dass uns Werbung mit schönen Bildern Geschichten erzählt, wir wissen, dass es in der „Rügenwalder Mühle“ wohl nicht so idyllisch zugehen wird wie in den Fernsehspots, dass „Actimel“ uns nicht vor Kachelmann schützt und auch das teure neue Schlecker-Logo deshalb die Märkte nicht besser macht.

Geschenkt.

Aber wie sieht es denn damit aus, dass uns immer mehr Geschäfte und insbesondere Restaurant eine heile (Bio)Welt  vorgaukeln und in Wirklichkeit doch nur Franchiseketten oder Systemgastronomie sind?

Die Autorin Kerstin Greiner hat dazu einen sehr lesenswerten Artikel im SZ-Magazin geschrieben. „Selbstbedienung“ heißt heute „Selbstbestimmung“ (klingt ja auch viel cooler) – und so sind die „Vapianos„, „Holyfields“ und „MoschMoschs“ dieser Welt nichts anderes als eine Turbogastronomie, die  – wen überrascht es – häufig von ehemaligen McDonalds-Managern gegründet wurden.

Die Inszenierung muss stimmen, wie z.B. bei „Le Pain Quotidien“ (150 Filialen in 19 Ländern):

oder in den zahllosen Irish Pubs dieser Welt, die sich ihre Gemütlichkeit per Katalog bestellen.

Röstis werden maschinell unregelmäßig hergestellt, Pommes so, dass sie handgeschnitten aussehen, obwohl sie es nicht sind – die Täuschung springt aus der Werbewelt in unseren Alltag hinein. Gibt es denn überhaupt noch ein echtes Leben im falschen??

Da schmiere ich mir doch lieber ne schöne Butterstulle….!

Spiel das Leben!

Eines meiner persönlichen Highlights auf der diesjährigen re:publica war neben dem Vortrag von Günther Dueck  Sebastian Deterding mit  seinen Ausführungen zu „Gamification“. Natürlich stürzen sich besonders die Marketing-Menschen auf dieses Thema, scheint dies doch die perfekte Kundenbindung zu ermöglichen…. aber wie funktioniert Gamification wirklich?

Deterding zeigt Möglichkeiten, Irrwege und Gefahren in seinem sehr kurzweiligen Vortrag auf – und letztendlich erfährt man mehr darüber, wie wir heute „Lernen“ gestalten sollten, wenn wir die dauerhafte Aufmerksamkeit und ein starkes Involvement der Lernenden erzielen wollen.