„In the factory we make cosmetics in the drugstore we sell hope“

Dieses Zitat stammt von Charles Revson, Gründer des „Revlon“-Konzerns und quasi Vater des ersten Nagellacks. Und schon sehen wir, dass selbst ein Thema wie Nagellack unter Marketingaspekten besprochen werden kann – und hören kann man das auch, nämlich hier.

Wie üblich an dieser Stelle  ein bißchen Hintergrundmaterial zum Radio-Interview: Charles Revson war ursprünglich Verkäufer für ein Kosmetikunternehmen, das sich jedoch weigerte, ihn zum nationalen Vertriebsbeauftragten aufsteigen zu lassen. Wie bei vielen guten Gründungen war dies die Initial-Zündung, etwas eigenes zu schaffen. Charles nahm seinen Bruder Joseph und den Chemiker Charles Lachman mit dazu und gemeinsam gründeten sie 1932 „Revlon“ (Lachman steuerte das „l“ bei, der ursprünglich angedachte Name „Revlac“ wurde verworfen). Revson hatte nämlich beobachtet, dass in der boomenden Autoindustrie immer bessere Lacke zum Einsatz kamen. Die Verwendung von Pigmenten ermöglichte eine Vielzahl von Farbmischungen und der Autolack war auch haltbarer als die Varianten, die bislang im Umlauf waren (u.a. aus aufgelöstem Celluoid, also gebrauchtem und ausgemustertem Filmmaterial).  Der erste „richtige“ Nagellack war geschaffen – und startete seinen Siegeszug.

Allerdings galt es noch eine Zeitlang als anrüchig und nicht einer feinen Dame angemessen, Nagellack zu benutzen; es schickte sich nicht, zumal es eher die Damen aus dem horizontalen Gewerbe waren, die sich damit schmückten – und Schauspielerinnen. Letzteren ist es zu verdanken, dass der Nagellack sich dann doch durchsetzen konnte…

Revson entwickelte unermüdlich neue Ideen: So stellte er eines Tages fest, dass seine Frau eine andere Lippenfarbe benutzen musste, da es noch keine einheitlichen Nagellack-Lippenstift-Varianten gab – und auch das erfand er dann flugs: „matching lips and fingertips“.

Revson soll übrigens alle seine Lacke „eigenhändig“ ausprobiert haben….

Zurück zu den Schauspielerinnen – und zu einer anderen Marke: „Chanel“.

1994 wurde nämlich ein unglaublicher Run auf die Farbe „Rouge Noir“ ausgelöst, der Chanel nicht nur sehr überraschte, sondern auch dazu führte, dass der Nagellack blitzschnell ausverkauft war – und zu immensen Schwarzmarktpreisen gehandelt wurde.

Auslöser für diesen Hype war die Schauspielerin Uma Thurman, die in dem Film „Pulp Fiction“ diesen schwarzroten Nagellack trug – zu Zeiten, in denen diese Farbe bislang Grufties und Punkerinnen vorbehalten war:

Auf einmal waren die langweilen Rot- und Pinktöne out – und der Nagellack wurde zum wichtigen Mode-Acessoire.

Legendär: Uma, Travolta und \\“Rouge noir\\“

Ursprünglich hatte Chanel diese Nagellacke lediglich für den Laufsteg und die Modeschauen produzieren lassen – seitdem wird aber jedes Jahr der passende Nagellack in kleiner Stückzahl auf den Markt gebracht – Hype inklusive!

Und heute?

Heute bietet die amerikanische Firma OPI in Kooperation mit Dell die passende Laptop-Farbe zum Nagellack an (nicht etwa umgekehrt):

Und – so schließt sich dann der Kreis – Volvo verkauft die passenden Nagellacke zu seinen Autolacken:

Der Markt für Nagellacke ist dabei nach wie vor wachsend: Allein eine normale Rossmann-Filiale führt bis zu 800 verschiedenen Lacken von 15 Herstellermarken. Die Herren mögen jetzt den Kopf schütteln, die Damen werden das verstehen…

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