Die Frohe Botschaft – bleibt haften

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Marketing und Religion hängen enger miteinander zusammen als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Nicht von ungefähr reden wir heute von „Marketing-Gurus“ – sie alle geben uns Heilsversprechen vom unendlichen Reichtum, wenn wir nur an ihre Wunder glauben.

In manchen Büchern wird der 1534 gegründete Orden der Jesuiten als erste Strategie- und Marketingabteilung Roms bezeichnet, der mit der bildreichen Gegenreformation gezielt Ästhetik in der „propagande fide“ gegen den Kahlschlag in der sinnlichen Wahrnehmung bei den Protestanten einsetzte. Doch wurde Marketing – wenn natürlich auch unbewußt –  bereits von den Ur-Christen genutzt. Denn es geschah in einer verhältnismäßig kurzen Zeit, die seit Leben und Sterben Jesu verstrichen war, dass der christliche Glaube zur römischen Staatsreligion wurde. Zurecht stellt sich die Frage: Wie haben die das so schnell geschafft? Mit Marketing, behauptet der italienische Medienphilosoph Bruno Ballardini, und geht noch einen Schritt weiter: Die Kirche hat das Marketing sogar erst erfunden! „Jesus wäscht weißer“….

Als Teilaspekt soll hier nun betrachtet werden, wie die Frohe Botschaft so gestaltet wurde, das sie quasi „viral“ Erfolg gehabt hat – denn so müssen auch unsere Botschaften gestaltet werden, wenn wir ihnen im Werbelärm Gehör verschaffen wollen. Die Brüder Chip und Dan Heath untersuchten zahlreiche urbane Mythen, Märchen, Legenden und Verschwörungstheorien, um hinter den Mechanismus solcher Botschaften und Ideen zu gelangen und entdeckten dabei die folgenden Grundregeln: Eine erfolgreiche Botschaft muss

– einfach

– unerwartet

– konkret

– glaubwürdig

– emotional und

– Geschichten erzählend

formuliert werden, damit sie haften bleibt.

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Einfach bedeutet: eine Kernaussage. Keine drei, keine 5, keine 10. Eine.“Ich bin Gottes Sohn, für die Menschen gestorben und auferstanden, um euch von euren Sünden zu erlösen.“ Wer diese Kernaussage bestätigte, daran glaubte, der wurde in die Gemeinschaft der Urchristen aufgenommen. Frauen wie Männer. Keine Beschneidung, keine unüberschaubare Zahl von Göttern.

Unerwartet, denn bislang galt es in den anderen Religionen eine Vielzahl von Regeln und Geboten zu beachten. Unerwartet, weil ein Prophet tatsächlich von den Toten wieder auferstanden ist und zum Himmel fuhr. So etwas gab es bislang noch nicht und sorgte für die nötige Aufmerksamkeit, wenn dies erzählt wurde. Wunder geschahen auch in all den Jahrhunderten danach immer wieder – und bis heute bei jedem Abendmahl in der Wandlung.

Konkret – kein abstraktes Modell, keine Philosophie, sondern gelebt. Praktizierte Nächstenliebe. In Gleichungen und Analogien wiedergegeben, der „barmherzige Samariter“, das „Kamel, das eher durch ein Nadelöhr geht“ und so weiter. Wir verstehen komplexe, komplizierte Sachverhalte wesentlich besser, wenn sie uns konkret dargeboten werden.

Glaubwürdig, überprüfbar, durch „Testimonials“ – ob es die Jünger sind, wie auch der ungläubige Thomas, oder andere Augenzeugen wie die Evangelisten, die die unerhörten Ereignisse dann schriftlich festgehalten haben. Oder Paulus, der vom Christenverfolger zu einem der wichtigsten Multiplikatoren wurde. Glaubwürdigkeit aber auch von innen heraus – „Überzeugen Sie sich selbst“!

Emotional, denn meine Botschaft darf nicht nur den Kopf erreichen, sondern muss auch vom Herz empfangen werden. Emotionalität erreichen wir, wenn wir Menschen zeigen und den Menschen ansprechen, in dem, was ihm am wichtigsten ist: er sich selbst. Jesus Christus war kein Supermann, sondern ein zweifelnder, auch verzweifelter Mensch. Mit seinen Ängsten und Sorgen war er wie wir und zeigte doch über das Menschsein hinaus. Emotional heißt auch Bindungen zu schaffen, neudeutsch in „communities“, altdeutsch: in Gemeinden. Und wer sich am Heiligen Abend zur Christmesse begibt, weiß, wie man dort von Gefühlen ergriffen wird.

Geschichten erzählen, storytelling – Geschichten sind mentale „Flugsimulatoren“, sie helfen uns, etwas zu verstehen und uns daran auch wieder zu erinnern. Sie vermitteln das Gefühl echter Erfahrung. Es sind diese Geschichten von Jesus, die bis heute Gültigkeit haben und die wir immer wieder neu interpretieren können, um sie in unseren aktuellen Kontext einzupassen.

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Die Idee des Christentums funktioniert nach diesen 6 Punkten – und funktionierte auch schon vorher 🙂 . Ihre Aufgabe ist es jedoch, Ihre Botschaft nach diesen Punkten zu gestalten, damit sie in den Köpfen der Empfänger haften bleibt!

Wenn Gott werben müsste....

Wenn Gott werben müsste….

(Dieses Posting fasst den am 9. September 2010 im Rahmen der „Berlin Community“ gehaltenen Vortrag „Die Frohe Botschaft – oder: Was wir von der erfolgreichsten Markeneinführung lernen können“  zusammen)

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2 Gedanken zu „Die Frohe Botschaft – bleibt haften

  1. Pingback: Glaube? Alles nur Marketing… | makketing

  2. Pingback: In Zungen sprechen… Marketing & Religion | makketing

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